Bilder aus Berlin-Adlershof sind derzeit im Bundesstaat Victoria im Südosten Australiens gefragt. Dort toben heftige Buschbrände – und das im Adlershofer Hochtechnologiepark ansässige DLR-Institut für optische Sensorsysteme kann Aufklärung liefern: Das Institut hat einen Kleinsatelliten mit Infrarotkamera an Bord entwickelt, mit deren Hilfe solche Feuer genau lokalisiert werden können. Satellit TET-1 fliegt seit 2012 im All. Demnächst kommt ein zweites Raumgefährt namens BIROS hinzu – die Abkürzung für Berlin Infrared Optical System.

Für März 2016 ist dessen Start mit einem indischen Trägersystem geplant. Dann sollen beide Satelliten als Mission „Firebird“ (Feuervogel) ein „hochpräzises Tandem“ zur Früherkennung von Waldbränden bilden, sagt Abteilungsleiter Andreas Eckardt. Eine Feuerfläche von zwei mal zwei Metern und auch weniger reicht aus, um vom All aus sicher erkannt zu werden – und auch für die Klarheit darüber, ob es sich um ein größeres Barbecue oder einen tatsächlich gefährlichen Brand handelt.

Schon geht es um eine Vergrößerung der Satellitenflotte. Mit Mexiko ist das Institut im Gespräch, vier weitere Brandwächter ins All zu schicken. Dann könnten alle sechs Stunden Fotos von jedem Punkt der Erde aufgenommen und verglichen werden.

Das Institut des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und dessen Entwicklungen sind ein Beleg dafür, wie gut sich der Wissenschafts- und Technologiestandort Adlershof im Südosten der Stadt entwickelt hat. Es ist ein kontinuierlich wachsendes Zentrum für Hochtechnologie geworden – oder ein „Gesamtkunstwerk“, das Forschung und Produktion auf hohem Niveau vereint, wie der Geschäftsführer der Wista-Managementgesellschaft Hardy Schmitz am Mittwoch bei der Vorstellung der Bilanz für 2014 sagte.

Nie zuvor konnten so viele Grundsteinlegungen, Richtfeste und Einweihungen privater Bauherren in Adlershof wie im vergangenen Jahr gefeiert werden, sagte er. 50 neue technologieorientierte Unternehmen siedelten sich neu an. Mit Stand Jahresende 2014 sei bei der Zahl der Firmen die „Märchenzahl von 1001“ erreicht worden. Mittlerweile arbeiten fast 16 000 Menschen im Technologiepark, über vier Prozent mehr als im vorangegangenen Jahr. Die Umsätze, Haushalts- und Fördermittel aller Unternehmen und Einrichtungen lagt mit 1,7 Milliarden Euro fast fünf Prozent über Vorjahresniveau.

Der Wachstumsschub sei umso bemerkenswerter, erklärte Schmitz, weil zugleich der Zufluss an Fördermitteln deutlich zurückgegangen sei. Das heißt: „Der Standort und seine Unternehmen wachsen aus eigener Kraft und mit privaten Mittel“, so Schmitz. Wirtschafts-Staatssekretär Henner Bunde hob die enge Vernetzung von Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung hervor. Hier lasse sich exemplarisch nachvollziehen, wie der Wirtschaftsstandort Berlin ausgebaut werden soll. Seite 1991 sei rund eine halbe Milliarde Euro an Fördermitteln in die Infrastruktur am Standort geflossen: „Diese Fördermittel haben sich für Berlin voll ausgezahlt“, sagte er.

Adlershof soll weiter wachsen: Im Jahr 2025 sollen rund 25 000 Menschen am Standort arbeiten. Und künftig auch von besseren Lebensbedingungen in einem komplett neuen Stadtteil profitieren.