Kaufen per Klick. Was nicht gefällt, wird kostenlos wieder zurückgeschickt oder abgeholt. Das gilt längst auch für Betten, Schränke und Lampen. Allein im vergangenen Jahr kletterte der Online-Umsatz mit Möbeln und Deko in Deutschland um 12,5 Prozent auf gut 4,2 Milliarden Euro, und das bekam auch das Berliner Unternehmen Home24 zu spüren. Um 18 Prozent ging deren Umsatz laut der am Mittwoch vorgestellten Bilanz für das Jahr 2018 nach oben. 313 Millionen Euro waren es am Ende.

Wenngleich das Unternehmen aus der Greifswalder Straße in Prenzlauer Berg damit schneller wuchs als der Gesamtmarkt, so verpasste Home24 doch seine selbst gesteckten und zuletzt nach unten korrigierten Ziele. Denn erst im November hatte der Vorstand die Prognose für das Umsatzplus für 2018 wegen des heißen Sommers von rund 30 Prozent auf gut 20 Prozent gesenkt. Dass dies nun verfehlt wurde, ist für die Firmenleitung offenbar nicht weiter beunruhigend. Man verweist auf einen hohen Auftragseingang zum Jahresende, der aber nicht mehr im alten Jahr bedient werden konnte und erst im ersten Quartal des neuen Jahres realisiert werde.

Kundenzahl in einem Jahr auf 240.000 gestiegen

Somit ist der Vorstand zuversichtlich: „Wir haben unseren Marktanteil in einem schwierigen Marktumfeld in Europa weiter ausgebaut und die Bekanntheit der Marke erhöht“, sagte Home24-Co-ChefMarc Appelhoff gestern. Tatsächlich stieg auch die Zahl der aktiven Kunden binnen eines Jahres um etwa 240.000 auf 1,3 Millionen.

Allerdings gibt es durchaus einige Baustellen bei Home24. Vor allem ist das Online-Möbelkaufhaus nach wie vor weit von der Profitabilität entfernt. Im vergangenen Jahr waren die Verluste gegenüber dem Vorjahr sogar von 22 auf 39 Millionen Euro angestiegen, also gut viermal schneller als der Umsatz.
Bis zum Jahresende soll die Gewinnschwelle jedoch erreicht werden. Ein neues Logistikzentrum in Halle, das spätestens im Sommer in Betrieb gehen soll, werde zur Kostensenkung beitragen. Zudem will man den Anteil margenstarker Eigenmarken weiter erhöhen. 

Verliert Rocket Internet Interesse an Home24?

An der Börse wurde die vorgelegten Zahlen indes honoriert. Zeitweise stieg der Wert der Aktie am Mittwoch um mehr als acht Prozent. Eine Ausnahmesituation, denn seit dem Börsengang von Home24 im vergangenen Jahr ging es tendenziell eher in die andere Richtung. Kostete der Anteilsschein des Möbelhauses am ersten Tag noch gut 29 Euro, so war dieser in den vergangenen Tagen schon für rund sieben Euro zu bekommen.

Zudem hatte zuletzt Rocket Internet für Verunsicherung gesorgt. Die Firmenschmiede hatte Home24-Aktien im großen Stil verkauft und ihren Anteil so von 33 auf 25 Prozent verringert, weshalb manch einer fragte, ob Rocket den Glauben an Home24 verloren habe. In jedem Fall wird es für die Firma nicht leichter. Am Dienstag nahm Amazon zwei Möbellinien ins Sortiment auf.