Bei CureVac wird an einem Impfstoff gegen das Coronavirus geforscht.
Foto: dpa/Sebastian Gollnow

TübingenVor wenigen Tagen war Dietmar Hopp für einige Fußballfans noch der Buhmann, der für die schlimme Kommerzialisierung des Fußballs steht. Nun könnte er zu denen gehören, die einen Weg aus der Coronakrise finden. Denn der Milliardär ist Mehrheitseigner der Tübinger Firma CureVac, die seit Jahresbeginn nach einem Impfstoff forscht. Und das offenbar so erfolgreich, dass die US-Regierung von Präsident Donald Trump versucht haben soll, die Firma in die USA zu locken. Das berichtete die Welt am Sonntag.

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Hopp hat dem Ansinnen am Sonntag umgehend eine Absage ereilt und legte am Montag nach. SAP-Mitgründer Hopp geht davon aus, dass bis zum Herbst ein Impfstoff gegen das Coronavirus zur Verfügung steht. „Das müsste dann verfügbar sein, aber es müssten ja erstmals Tests gemacht werden an Tieren und dann an Menschen“, sagte der Mehrheitseigner des Fußball-Bundesligisten 1899 Hoffenheim in einem Sport1-Interview. Und zu den USA-Avancen sagte er: „Es kann nicht sein, dass eine deutsche Firma den Impfstoff entwickelt und dieser in den USA exklusiv genutzt wird.“

Nun gehört schon jetzt ein bekannter Amerikaner, wie Hopp reich geworden mit Computer-Software, zu den Unterstützern der Tübinger Firma: Bill Gates, einst Gründer von Microsoft. Denn CureVac wird unterstützt von der „Koalition für die innovative Prävention von Epidemien“ (CEPI). Ihr Ziel ist es, die Beschleunigung der Entwicklung und Prüfung von Impfstoffen zu fördern. Sie wurde im Jahr 2017 in Davos gegründet. Sie versteht sich als eine Koalition aus Regierungen, Industrie, Philanthropie und Zivilgesellschaft. Die Regierungen von Norwegen und Indien, die Bill & Melinda Gates Stiftung, der Wellcome Trust und das World Economic Forum waren die maßgeblichen Gründer. Die Europäische Kommission will 250 Millionen Dollar beitragen. Die US-Regierung nimmt nicht an dem Programm teil. Das Stiftungskapital liegt bei 740 Millionen Dollar.

Vorbereiten wie auf Kriege

Treibende Kraft der CEPI ist der 64-jährige Bill Gates. In den vergangenen Jahren betonte er immer wieder, dass die Welt sich auf Epidemien genauso ernsthaft vorbereiten sollte wie auf Kriege.   Der Anlass zur Gründung von CEPI war die Ebola-Epidemie von 2013 in Westafrika.

Heute versucht die CEPI, die Entwicklung eines Covid-19-Impfstoffes zu fördern, obwohl bis heute nur etwa 23,7 Millionen Dollar dafür bei Biotechfirmen investiert wurden. Die CEPI hatte unter anderem die Firma CureVac in Tübingen im Umfang von rund acht Millionen Dollar unterstützt. Sie war aber auch bei Firmen in Massachusetts wie Moderna, in Oxford in Großbritannien sowie in Brisbane, Australien, eingestiegen.

In seinen Warnungen vor einer Pandemie hat Bill Gates die Regierungen zu breitangelegten Übungen für den Tag X aufgefordert. Tatsächlich handeln in diesem Jahr diejenigen Gesellschaften am besten, die, wie Südkorea oder Singapur, schon unangenehme Sars-Erfahrungen hatten. Andere, wie Italien, Deutschland oder Spanien, hätten sicherlich von solchen Übungen im Sinne Gates profitiert.

Noch ist unklar, wie sich der diplomatische Streit zwischen Berlin und Washington in Sachen des Biotech-Unternehmens CureVac entwickeln wird. Bei CureVac ist Bill Gates übrigens nicht nur Stifter, sondern der zweitgrößte Investor nach Dietmar Hopp. (mit sid, dpa)