Berlin - Fragt man einen Chinesen, welche deutsche Persönlichkeit ihm spontan als erstes einfällt, lautet die Antwort am häufigsten: Adolf Hitler. Fragt man die Deutschen nach ihrer ersten Eingebung bei einer chinesischen Persönlichkeit, antworten ganze 54 Prozent: Mao Zedong. Die zwei Diktatoren liegen dabei in der Bekanntheit weit vor den aktuellen Regierungschefs Xi Jinping und Angela Merkel.

Das ist nur eines von vielen Ergebnissen der Huawei-Studie 2016 zur gegenseitigen Wahrnehmung von Chinesen und Deutschen, die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde. Hauptverantwortlich für die Studie sind der chinesische Telekommunikationskonzern Huawei und das German Institute of Global and Area Studies (GIGA). Rund 2600 Personen aus China und Deutschland wurden zu den Themenbereichen Politik, Wirtschaft sowie Gesellschaft und Kultur befragt.

Chinesen haben ein positives Bild über Deutschland

Die Ergebnisse sind in vielen Bereichen wenig überraschend und offenbaren teilweise Vorurteile. Insgesamt zeigt die Studie, dass Deutschland bei den Chinesen ein wesentlich positiveres Image hat, als China bei den Deutschen. In Bezug auf das politische System haben 70 Prozent der Deutschen ein negatives Bild von China. Ganze 74 Prozent der Chinesen jedoch sehen Deutschland positiv. Ausgeglichener, aber immer noch asymmetrisch ist die Einschätzung bei ökonomischen Themen. Mehr Chinesen und Deutsche schätzen die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern wichtiger ein als die zu den USA. Allerdings wurden die Chinesen hier nicht explizit nach Deutschland, sondern nach ganz Europa befragt. Die Deutschen machen sich insgesamt weniger Sorgen wegen der „wirtschaftlichen Stärke“ Chinas als noch 2014, was die Macher der Studie auf Chinas sinkendes Wirtschaftswachstum zurückführen. Zudem herrscht in Deutschland immer noch die Meinung vor, China kopiere westliche Produkte, statt innovativ zu sein. Das entspreche jedoch „nur noch teilweise der Realität“, heißt es in der Studie. In China werden deutsche Produkte mit großer Mehrheit als innovativ eingeschätzt.

Ein Schwerpunkt der Studie liegt in diesem Jahr auf den Bereichen Digitalisierung und digitale Innovation. Die Ergebnisse zeigen, dass die Deutschen hier ein ziemlich realistisches Bild von China haben. 84 Prozent schätzen die Einstellung der Chinesen zu digitalen Innovationen als positiv ein, und 74 Prozent glauben, dass die Chinesen eher den Nutzen als die Gefahren dieser Entwicklung sehen. Das entspricht ziemlich exakt der Selbsteinschätzung der Chinesen. Die Chinesen wiederum gehen davon aus, dass die Deutschen ähnlich gestrickt sind.

Doch die schätzen sich selbst viel skeptischer ein: Ein Drittel der Befragten schreibt der eigenen Bevölkerung eine eher ablehnende Haltung zu digitalen Innovationen zu. Zudem geht mehr als die Hälfte davon aus, dass diese in Deutschland eher als Gefahr angesehen werden. 60 Prozent der Deutschen befürchten, dass durch die Digitalisierung Arbeitsplätze verloren gehen. Die Mehrheit der Chinesen glaubt das Gegenteil. Außerdem lehnen die Deutschen es mehrheitlich ab, persönliche Daten über das eigene Fahrverhalten oder die Gesundheit an Auto- oder Krankenversicherungen weiterzugeben – bei den Chinesen sind über 60 Prozent dazu bereit.

Bedürfnis nach Privatsphäre in China gering

In China bestehe eine „Tendenz zur Sorglosigkeit“, heißt es in der Studie. Die Gründe für die verschiedenen Einstellungen zum Datenschutz und zur Privatsphäre seien unter anderem in kulturellen Unterschieden zu suchen. In der kollektivistischen chinesischen Kultur sei das Bedürfnis nach Privatsphäre grundsätzlich geringer. Interessanterweise würden aber 47 Prozent der befragten Chinesen ihren Kindern erst ab einem Alter von über 15 Jahren ein Smartphone geben. Für die Deutschen ist das durchschnittlich schon ab 12,9 Jahren in Ordnung.