Das BMW Concept 4 wurde noch auf der letzten Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt am Main ausgestellt.
Foto: dpa

MünchenKlaus Dittrich denkt langfristig. „Unser Ziel ist es, die Internationale Automobilausstellung dauerhaft in München zu haben“, sagt der Chef der Messe München. Wenige Stunden zuvor hatte der heimische Verband der Automobilindustrie (VDA) München den Zuschlag für die nächsten beiden IAA-Termine 2021 und 2023 nebst einer Option für 2025 erteilt. Was in Frankfurt am Main zuletzt nicht mehr geklappt hatte, soll nun in München gelingen. Ob das so kommt, oder ob die IAA trotz aller Bemühungen von VDA und Messe München doch aus der Zeit gefallen ist, muss sich erst noch zeigen. Mit einem komplett neuen Messekonzept glaubt Dittrich aber Besucher wie Aussteller locken zu können.

Branchengrößen fehlten zuletzt bei Frankfurter IAA

„Wir wollen die zuletzt Weggebliebenen zurückgewinnen“, sagt der Münchner Messe-Chef. Das sind große Teile der Autoindustrie. 2019, bei der letzten Frankfurter IAA, haben Branchengrößen wie Toyota und Fiat-Chrysler, Renault und Citroën, aber auch Elektropionier Tesla und viele mehr gefehlt. Aber auch solche, die noch nie bei einer IAA ausgestellt haben, hat Dittrich im Blick. „Alleine in China gibt es 120 Autohersteller“, sagt er. Die wollen zunehmend exportieren und bräuchten deshalb eine Bühne wie die IAA. Auch auf Hightech-Konzerne wie Google, Microsoft und Apple schielen die Messemacher. Denn die neue IAA will mehr als nur Autos präsentieren.

Wir wollen die zuletzt Weggebliebenen zurückgewinnen.

Klaus Dittrich, Chef der Messe München

Die neue IAA sieht Dittrich als Forum für moderne Mobilität, das auch weit über die Münchner Messehallen hinausgeht. Als zweite wesentliche Kulisse ist der Münchner Olympiapark geplant. Dort sollen Besucher mit Batterie oder Wasserstoff betriebene Autos Probe fahren oder sich in autonomen Roboterbussen befördern lassen können. Auch Abstecher ins Umland oder die Innenstadt sollen bei Testfahrten möglich sein, und das nicht nur auf vier Rädern. Geplant sind Teststrecken für E-Scooter oder auch Fahrradschnellwege. „Wir gehen auf die Bevölkerung zu“, verspricht Dittrich.

Das schließt Kritiker ein. „Es wird Diskussionsbühnen geben, wir öffnen uns“, kündigt der Messe-Chef an. Dort sollen die zu Wort kommen, die bei der letzten IAA in Frankfurt noch so manche Autopräsentation per Demonstration torpediert hatten. Gezielt eingeladen werden Verkehrsinitiativen, um das ganze Mobilitätsspektrum abzudecken.

Kürzere Laufzeit und begrenztere Ausstellunsgfläche

Bei der IAA 2019 in Frankfurt waren es noch 560.000 Besucher, 30 Prozent weniger als 2017. Für München ist der Messe-Manager mit einer Prognose auch zurückhaltend, weil die neue IAA nur noch sechs statt wie in Frankfurt über zehn Tage laufen wird. Die Verkürzung soll Kosten für Aussteller senken und damit einen Grund für deren Fernbleiben beseitigen. Dazu trägt bei, dass der VDA und die Messe München die Standflächen 2021 auf maximal 2000 Quadratmeter begrenzen. In Frankfurt waren Stände bis zu 11.000 Quadratmeter groß und haben ganze Hallen umfasst. Für München kalkuliert man 2021 mit 150.000 Quadratmetern Hallenfläche, drei Viertel des Münchner Messegeländes.

Auf dieser Basis wollen VDA und Messe Geld verdienen. Hilfreich ist dabei ein vom Freistaat Bayern zugesagter IAA-Zuschuss von 15 Millionen Euro. Der werde aber nicht die Messe als solches subventionieren, so Dittrich. Die Gelder würden zum Aufbau von Elektro- oder Wasserstofftankstellen und andere umweltfreundliche Infrastruktur in der Stadt verwendet.

Auch geplant ist die Einrichtung einer Vorrangspur auf der Straße für Elektro- oder Wasserstoffautos, die Messe- und Olympiagelände sowie innerstädtische IAA-Veranstaltungsorte verbindet. Zwischen Messe- und Olympiagelände soll zu IAA-Zeiten zudem eine U-Bahn pendeln, die es sonst nicht gibt.