Der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest, hält es angesichts der Corona-Pandemie für notwendig, Unternehmen auch im ersten Quartal des kommenden Jahres mit staatlichen Mitteln in der Krise zu stützen. Fuest sagte der Berliner Zeitung: „Es ist aus zwei Gründen sinnvoll, die Hilfen weiterzuführen: Erstens gilt es, die Konjunktur zu stützen. Zweitens sind die Lasten der Krise sehr ungleich verteilt. Die Lockdown-Maßnahmen zwingen Betriebe in den Bereichen Gastronomie, Reise, Kultur und Sport zur Schließung. Dort entstehen massive Einbußen. Andere Branchen sind kaum betroffen. Das ist nur dann akzeptabel, wenn es gezielte Hilfen für die am meisten Betroffenen gibt.“ Fuest vertritt die Auffassung, dass die Bundesregierung bei neuen Hilfsprogrammen umsteuern sollte: „Die Hilfen müssen zielgenauer gestaltet werden. Statt Umsätze anteilig zu erstatten, sollten wir uns stärker an den tatsächlich anfallenden Verlusten orientieren. Wir sollten außerdem versuchen, stärker die Betriebe zu schließen, in denen die Wertschöpfung niedriger ist.“ Bisher habe Deutschland den richtigen Weg eingeschlagen: „Es war meines Erachtens richtig, die Wirtschaft mit umfangreichen staatlichen Hilfen zu stützen. Dass Deutschland voraussichtlich mit einem geringeren Wachstumseinbruch durch die Krise kommt als viele andere Länder, ist unter anderem Ergebnis der Stützungspolitik. Allerdings ist es wichtig, die Hilfen zielgenau zu gestalten und nicht mehr öffentliche Gelder einzusetzen als nötig.“ Für den Sozialstaat sieht Fuest „kurzfristig keine“ Probleme. Er schränkt allerdings ein: „Mittelfristig haben wir das Problem, dass der demografische Wandel die Renten-, Kranken- und Pflegeversicherungen finanziell stark belastet. Die hohen Schulden reduzieren die künftigen Finanzierungsspielräume.“

Der Ökonom rechnet für das Jahr 2021 weder mit einer Inflation noch mit einer Deflation: „Wenn die Impfungen ermöglichen, die soziale Distanzierung zu beenden, wird es sicherlich einen Konsumboom geben und die Inflation wird steigen, aber meines Erachtens nicht so weit, dass man deswegen von einer Gefahr sprechen kann.“

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