Auch die Autoindustrie ist vom Wirtschaftsabschwung stark betroffen.
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MünchenBislang haben sich die Prognosen des Münchner Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung in der Corona-Krise als recht zuverlässig erwiesen. Wenn das auch für eine neue Schätzung der konjunkturellen Entwicklung gilt, kommt auf die deutsche Wirtschaft 2020 eine Rezession von 6,6 Prozent zu, der 2021 eine Erholung von 10,2 Prozent folgt. Drei Szenarien haben die Forscher durchgerechnet.

„Unternehmen halten im Schnitt eine Normalisierung ihrer eigenen Geschäftslage innerhalb von neun Monaten für den wahrscheinlichsten Fall“, sagt Ifo-Konjunkturexperte Timo Wollmershäuser. Voraussetzung sei, dass es zu keiner zweiten Infektionswelle kommt und sowohl im Inland wie auf ausländischen Absatz- und Beschaffungsmärkten größere Insolvenzwellen ausbleiben.

Den ökonomischen Tiefpunkt der Corona-Krise sieht Ifo im laufenden zweiten Quartal mit einem konjunkturellen Einbruch in Deutschland von über zwölf Prozent. Während der gesamten Zeit der Schließung vieler Betriebe und Geschäfte dürfte die Wirtschaftsleistung sogar um 17 Prozent sinken. Erst Mitte 2021 würden in Deutschland wieder so viele Waren und Dienstleistungen produziert wie in einer Situation ohne Pandemie, erklärt Wollmershäuser. Das ist aber nur eine Durchschnittsbetrachtung, die nicht für alle Branchen gilt. Am längsten dauert das Hochfahren laut Ifo voraussichtlich in der Luftfahrt mit 16 Monaten. Eine längere Erholungsphase prognostiziert Ifo auch für Reisebüros und -veranstalter, Hoteliers und Gaststätten. Das gilt auch für die Autoindustrie als ausgesprochener deutscher Schlüsselbranche mit einer mutmaßlichen Erholungszeit von zwölf Monaten.

Ifo hat für die Konjunkturentwicklung auch einen besten und schlimmsten Fall berechnet. Glimpflicher geht es demnach ab, falls die wirtschaftliche Erholung nur fünf Monate dauert. Dann würde die heimische Wirtschaftskraft dieses Jahr nur um knapp vier Prozent schrumpfen, 2021 aber auch weniger kräftig um gut sieben Prozent wachsen. Im schlechtesten Fall einer durchschnittlichen Erholungsphase von 16 Monaten kommt 2020 eine Rezession von gut neun Prozent auf Deutschland zu und ein ähnlich starker Aufschwung 2021. Die konjunkturelle Erholung würde sich in diesem schlimmsten Fall bis weit ins Jahr 2022 hineinziehen, sagt Ifo. Grundannahme bei allen drei Szenarien ist, dass der Coronavirus in den kommenden Monaten zwar nicht besiegt wird aber eingedämmt bleibt, es zu keinen Verwerfungen im Finanzsystem kommt und keine Neuausrichtung globaler Wertschöpfungsketten nötig wird.