Prof. Dr. Gabriel Felbermayr, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft Kiel. 
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BerlinDie deutsche Wirtschaft wird nach Ansicht des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel auch nach dem Ende des Lockdowns lange nicht zu alter Stärke finden. „Wir müssen unsere Prognosen vom Beginn der Krise revidieren“, sagte IfW-Präsident Gabriel Felbermayr am Sonntag dem Magazin „Spiegel“. Es sei davon auszugehen, „dass wir auch im dritten Quartal nicht zum Normalniveau zurückfinden. Dafür sind wir zu tief gefallen.“

Felbermayr sagte, die aktuellen Wirtschaftsdaten deuteten nicht mehr auf den erhofften V-Verlauf der Rezession hin, also einen tiefen Einbruch gefolgt von einer rasanten Erholung. Laut Berechnungen des IfW entfalle auf den Lockdown selbst nur ein Drittel des Schadens am Bruttoinlandsprodukt. Daneben seien weitere belastende Faktoren getreten, allen voran eine rasant zunehmende Sorge vor der Zukunft, fasst die Nachrichtenagentur AFP zusammen.  

„Das Vertrauen hat einen Schock erlitten“, sagte Felbermayr. Es seien „Zukunftsängste entstanden, die sehr viel nachhaltiger sind als die Bedrohung durch das Virus selbst“. Bürger schränken ihre Ausgaben ein, aus Sorge um den Arbeitsplatz. Da Kunden fernbleiben und Aufträge aus dem Ausland wegbrechen, streichen viele Firmen Investitionen zusammen und legen Sparprogramme auf, wie der IfW-Präsident weiter sagte.

Sollten zudem Globalisierung und Freihandel weiter unter Druck geraten, könnte Deutschland langfristig auf der Verliererseite stehen. Die Exporte könnten sinken, weil viele Industrieprodukte in Zukunft näher an den Absatzmärkten in Nordamerika und Asien gefertigt würden. Zugleich drohe bei vielen Dienstleistungen eine Outsourcing-Welle ins Ausland. „Das wird ein Zangenangriff auf Deutschlands Wohlstand“, so Felbermayr.