Ein Easyjet-Flugzeug im Anflug auf Berlin-Tegel. Gleich werden die Bodenverkehrsdienste übernehmen - um die Maschine einzuwinken, Leitern an die Ausgänge zu stellen, die Passagiere in Vorfeldbussen zum Terminal zu fahren und ihr Gepäck auszuladen.
dpa

Berlin-SchönefeldSo viel steht fest: Während der Winterferien Anfang Februar soll es keine Arbeitsniederlegungen geben. Die Verdi-Gewerkschafter wollen den Berlinern und Brandenburger n nicht die Urlaubsreise vermiesen. Doch es könnte sein, dass sie Mitte Februar über Maßnahmen dieser Art beraten werden. Denn im Streit um höhere Löhne für die mehr als 2 000 Beschäftigten der Bodenverkehrsdienste in   Tegel und Schönefeld ist bislang keine Einigung in Sicht. „Es ist erforderlich, dass sich die Arbeitgeber kompromissbereit zeigen, sonst droht auf den Berliner Flughäfen ein eigentlich vermeidbarer Konflikt“, warnte Enrico Rümker, der Verdi-Verhandlungsführer.

Es geht um Menschen, die wichtig sind, damit die Flughäfen funktionieren – was auch für den BER in Schönefeld gelten wird. Zu den Aufgaben der Bodenverkehrsdienste gehört es zum Beispiel, Passagiere einzuchecken, Gepäck zu verladen, Vorfeldbusse zu fahren und Flugzeuge einzuwinken. Derzeit halten drei Unternehmen Lizenzen der Flughafengesellschaft FBB: Wisag, Aeroground und Swissport. Weil der Luftverkehr in Berlin zugenommen hat, müssen die Beschäftigten immer mehr und härter arbeiten, so Verdi. Die Bezahlung müsse sich deutlich verbessern. Sonst könnte es sein, dass am neuen Flughafen BER nicht alle Stellen besetzt werden können.

"Nicht einigungsfähig"

Zwar hatte der Allgemeine Verband der Wirtschaft für Berlin und Brandenburg, der die Arbeitgeberseite vertritt, am Freitag zur dritten Runde der Tarifverhandlungen ein Angebot vorgelegt. Es sieht vor, die Entgelte um insgesamt 225 Euro im Monat bei einer Laufzeit von drei Jahren in drei Stufen von 75 Euro jeweils zum 1. Januar zu erhöhen, heißt es in einer internen Mitteilung an alle Beschäftigten. „Mit unserem Angebot ist für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine deutliche Reallohnsteigerung verbunden“, so die Arbeitgeber. Der geplante Vergütungstarifvertrag soll rückwirkend zum 1. Januar 2020 in Kraft treten.

Doch dieses Angebot sei „nicht einigungsfähig“, entgegnete die Gewerkschaft. Während die Arbeitgeberseite eine Vertragslaufzeit von drei Jahren wünschen, fordert Verdi eine deutliche kürzere Geltungsdauer: acht Monate. Sie will das Paket wieder aufschnüren, kurz bevor der Flughafen BER ans Netz geht – was nach jetzigem Stand für den 31. Oktober dieses Jahres vorgesehen ist. Und so fällt Enrico Rümkers Zwischenbilanz nicht optimistisch aus. „Die Positionen liegen so weit auseinander, dass eine Lösung in weiter Ferne liegt“, fasste er zusammen.

Arbeitgeber wollen langfristigen Tarifvertrag

Dagegen betonten die Arbeitgeber: „Auch wir wollen Ihnen mit steigenden Löhnen mehr Wertschätzung für Ihre Arbeit entgegenbringen. Insbesondere vor dem Hintergrund der BER-Eröffnung streben wir aber vor allem einen langfristigen Tarifvertrag mit einer Laufzeit von 36 Monaten an, der uns und Ihnen Planungssicherheit ermöglicht.“ Ziel sei es, eine störungsfreie Inbetriebnahme des BER zu gewährleisten, hieß es.

Am 14. Februar wird es nun die nächste Verhandlungsrunde geben. Danach will die Gewerkschaft entscheiden, wie sie weiter vorgeht. Nicht ausgeschlossen, dass dann ein Warnstreik beschlossen wird.