Berlin - Auf dem deutschen Immobilienmarkt herrscht seit Jahren Partystimmung – aber nur bei jenen, die an den kräftig steigenden Mieten und Kaufpreisen in den Großstädten verdienen. Wer hingegen für sich und seine Familie eine bezahlbare Wohnung sucht, hat es schwer, tatsächlich auch fündig zu werden.

Immobilienexperten gehen davon aus, dass die Preisrallye in einigen Großstädten wegen rückläufiger Zuzugszahlen und mehr Bautätigkeit schon bald wieder vorbei sein dürfte. Die Postbank hält jetzt mit einer neuen Studie dagegen: Bis zum Jahr 2030 werde der Wert von Wohnimmobilien in etlichen Regionen des Landes weiter zulegen. In Berlin passiert das moderat, in Potsdam bleibt der Druck auf dem Wohnungsmarkt hoch. Ein Blick auf den Stand der Dinge.

Was genau sagt die Postbank voraus?

Das Bonner Geldhaus geht davon aus, dass in mehr als der Hälfte der 402 deutschen Kreise und Städte der Wert von Wohnimmobilien bis 2030 stabil bleibt oder sogar weiter wächst. „Besonders Großstädte und die angrenzenden Kreise dürften auch in Zukunft zu den Regionen mit relativ hoher Wertsteigerung gehören“, berichtete die Postbank am Freitag anlässlich der Veröffentlichung ihrer Studie „Wohnatlas 2017“. Das Institut hat selbst ein Interesse an florierenden Immobilienmärkten, schließlich ist es im großen Stil in der Baufinanzierung aktiv.

Wie kommt die Bank zu ihrer Einschätzung?

Die Vorhersage fußt auf Berechnungen des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI). Die Wissenschaftler werteten verschiedene Regionaldaten zu Bevölkerungs- und Altersstruktur, Haushaltsgröße, Einkommensentwicklung und Wohnausgaben aus und leiteten daraus eine Prognose zur Nachfrageentwicklung ab.

„In das HWWI-Wohnungsmarktmodell flossen sowohl die Entwicklung der Nachfrage wie auch des Angebots ein. Mit diesem Prognose-Instrument lässt sich nachzeichnen, wie sich beide Faktoren wechselseitig beeinflussen“, schreibt die Postbank. „Am Ende steht die Kaufpreisprognose für den Zeitraum 2016-2030.“

In welchen Städten wachsen die Kaufpreise demnach besonders stark?

Spitzenreiter bei den Metropolen ist auch in dieser Prognose München: Hier sollen die Preise im genannten Zeitraum real um durchschnittlich 1,3 Prozent pro Jahr wachsen. Für Dresden, Hamburg, und Düsseldorf rechnen die Experten jeweils mit einer Zunahme von um die ein Prozent, für Köln von 0,7 Prozent. In Frankfurt (0,5) und Berlin (0,3) sollen die Preise hingegen nur noch moderat steigen. Für den Großraum Hannover, für Dortmund und Essen sagt die Studie hingegen rückläufige Immobilienpreise voraus.

Bezieht man auch kleinere Städte und Landkreise in die Betrachtung ein, so ist den Angaben zufolge in Heilbronn mit dem stärksten Preistrend zu rechnen: Dort sollen Häuser und Wohnungen pro Jahr um 4 Prozent teurer werden. Auch in den Landkreisen rund um München sowie im sonstigen Oberbayern bleibt der Druck auf die Immobilienmärkte außergewöhnlich hoch. Das gilt auch für die brandenburgische Landeshauptstadt Potsdam.

Wie sieht es im Osten des Landes aus?

Hier scheinen die Aussichten für Immobilien-Investoren eher mau zu sein. „Die Kreise dort versprechen angesichts eines negativen Bevölkerungstrends relativ geringe Chancen auf Wertzuwächse“, heißt es bei der Postbank. Vielerorts sei müssen Eigentümer mit einem steten Rückgang der Hauspreise rechnen. Ausnahmen bildeten neben Berlin und seinem Umland nur Leipzig, Dresden sowie Weimar und Jena.