Der spektakulärste Büroverkauf des vergangenen Jahres hat in Frankfurt stattgefunden: Für 784 Millionen Euro kauften der norwegische Staatsfonds und der Versicherer Axa im Oktober Die Welle im südlichen Westend; mit im Paket war auch das Berliner Kranzler Eck. Das Palais Quartier nahe der Zeil gehört seit einigen Tagen einer Tochter der niederländischen Rabobank, und der Wolkenkratzer Trianon liegt seit fast einem Jahr mehrheitlich im Besitz des US-Investors Madison Real Estate.

Deutsche Immobilien sind heiß begehrt. Kein Wunder: „Im Vergleich zum Rest Europas läuft die Konjunktur hierzulande vergleichsweise gut“, sagt Matthias Pink vom Immobiliendienstleister Savills. „Das Interesse ausländischer Investoren ist daher im Vergleich zu den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.“

Bei zehn der 20 größten Transaktionen des vergangenen Jahres stammte das Kapital aus dem Ausland. Weil auch deutsche Großanleger zukauften, war 2012 das umsatzstärkste Jahr seit 2007. Dabei gab es erstmals auch wieder milliardenschwere Deals – vier, um genau zu sein.

Damit hatte vor zwölf Monaten kaum jemand gerechnet. Experten staunen vor allem darüber, dass neun sehr große Wohnungsportfolien gehandelt wurden. Drei davon gingen an ausländische Investoren. So kaufte der Pensionsfonds National Pension Service of Korea im November für 232 Millionen Euro 2985 Wohneinheiten in Süddeutschland. Die US-Beteiligungsgesellschaft Blackstone übernahm im März 8000 Wohnungen in den neuen Bundesländern aus einer Insolvenzmasse, Konkurrent Cerberus legte sich gleich 26.000 Appartements in ganz Deutschland zu.

Deutsche Wohnimmobilien gelten als sicheres und trotzdem lukratives Investment. Zwar steigen die Mieten aufgrund gesetzlicher Vorgaben moderater als in anderen Ländern. Dafür sind die Kaufpreise im internationalen Vergleich nach wie vor gering, und die Deutschen zahlen ihre Mieten ziemlich zuverlässig. 2012 lag das Transaktionsvolumen im Wohnimmobilienmarkt bei 10,45 Milliarden Euro, das sind 46 Prozent mehr als im Vorjahr.

Bei Gewerbeimmobilien übertraf das Volumen mit 25,6 Milliarden Euro das Vorjahr immerhin um neun Prozent, rechnet die französische Bank BNP vor. Der größte Deal war der Verkauf des TLG-Portfolios des Bundes, gefolgt vom Besitzerwechsel des Berliner Kaufhauses des Westens (KaDeWe) und weiterer 16 Warenhäuser.

Wer in Europa Gewerbeimmobilien kaufen will, für den ist Deutschland einer der interessantesten Standorte. Denn Büros und Ladengeschäfte sind konjunkturabhängig. Nur wenn die Geschäfte laufen, fließen die Mieten lange und zuverlässig. Das dürfte hierzulande der Fall sein. So erwarten sowohl das gewerkschaftsnahe IMK-Institut als auch das ZEW für 2013 ein Wachstum von 0,8 Prozent. Trotz des zunehmenden weltweiten Interesses ist ein Ausverkauf nicht in Sicht. Denn internationale Anleger kaufen nicht nur, sie nutzen den guten Markt auch, um ihre Objekte wieder zu verkaufen. So gab die britische Bank Barclays rund 21.000 Appartements an die Deutsche Wohnen ab, ein dänischer Investor verkaufte gut 4000 Wohnungen an die GSW, und das Frankfurter Palais Quartier gehörte bis vor Kurzem der Londoner Gruppe Meyer Bergman. „Die Angst, dass ausländische Investoren Deutschlands Immobilienmarkt fest im Griff haben, ist unbegründet“, sagt Michael Voigtländer vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln.

Mehr Bedacht als vor der Krise

Bis Ende September lag der Anteil ausländischer Investoren nach Daten des Maklerhauses Jones Lang LaSalle bei 44 Prozent. Zum Vergleich: 2009 waren es gut 17 Prozent. Seitdem steigen die Anteile kontinuierlich. Trotzdem ist Deutschland von dem Immobilienwahn der Vorkrisenjahre noch weit entfernt. 2006 kamen 80 Prozent des Transaktionsvolumens aus dem Ausland. Damals kauften viele Investoren in der Bundesrepublik ein, weil sie dachten, die Preisexplosion in ihren Heimatländern werde sich auch hierzulande einstellen. Der folgende weltweite Crash war vielen eine Lehre. Inzwischen investieren sie Marktbeobachtern zufolge mit deutlich mehr Bedacht.