Berlin - In den deutschen Groß- und Universitäten sind die Wohnungsmärkte seit Jahren außer Rand und Band. Mieten und Kaufpreise schießen in die Höhe. Wohnen ist für viele Bürger zum Luxus geworden, der Kauf einer eigenen Immobilie selbst für Besserverdienende oft nicht mehr zu stemmen.

Nach Einschätzung von Fachleuten dürfte der Druck auf die Wohnungsmärkte in der kommenden Zeit aber nachlassen. Das gelte bundesweit, aber auch für die Metropolen des Landes, heißt es im aktuellen Frühjahrsgutachten des Rats der Immobilienweisen, welches der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) der Branche am Dienstag veröffentlichte und an die Bundesregierung übergab.

Nachfrage nach Wohnungen deutlich geringer

„Die Nachfrage nach Wohnungen wächst derzeit deutlich langsamer als noch vor kurzem, da die Zuwanderung aus dem Ausland (Flüchtlinge, EU-Ausland) stark zurückgegangen ist“, heißt es in dem Gutachten. Gleichzeitig steige das Angebot an Wohnungen stärker als bislang.

„2017 dürften über 300.000 neue Wohnungen fertiggestellt worden sein und 2018 dürften es nochmals mehr werden“, schreiben die Experten. Damit nähere sich der Wohnungsmarkt einer „gleichgewichtigen Entwicklung“, so dass der Druck auf die Mieten geringer werde. Da zudem die Zinsen voraussichtlich nicht weiter sinken würden, falle auch diese preistreibende Wirkung auf dem Kaufmarkt weg.

Wohnungsmieten stiegen bundesweit

Der Immobilienweise Harald Simons, Vorstand des Beratungsunternehmens Empirica, sagte am Dienstag: „Die Zeiten der stürmischen Entwicklung der Wohnungsnachfrage sind in München, Berlin und Stuttgart zu Ende gegangen. In Hamburg, Frankfurt, Köln und Düsseldorf ist das bislang nicht der Fall, aber eine Abschwächung ist auch hier gut möglich.“

Im vergangenen Jahr allerdings wurde das Wohnen dem Gutachten zufolge noch einmal deutlich teurer: Die Angebotsmieten stiegen bundesweit im Schnitt um 4,3 Prozent an, im Vorjahr waren es 3,1 Prozent gewesen. Die Kaufpreise für Eigentumswohnungen kletterten um 7,9 Prozent, zuvor hatte der Anstieg bei 8,8 Prozent gelegen.

Mangel an Büroflächen

Während sich die Lage bei Wohnimmobilien also twas zu entspannen scheint, ist die nächste große Knappheit in einem anderen Marktsegment schon in Sicht: In den deutschen Städten fehlt es laut den Immobilienweisen zunehmend an Büroflächen. Das kann sich für die Kommunen zu einem ernsthaften Problem entwickeln: Unternehmen können dann nur noch bedingt am Ort expandieren, die Neuansiedlung von Firmen wird gehemmt. Das kann sich dann auch am Arbeitsmarkt und bei den Gewerbesteuer-Einnahmen der Städte und Gemeinden bemerkbar machen.

An den Standorten München, Stuttgart und Berlin sind die Büromärkte bereits so gut wie leergefegt, haben die Immobilienweisen beobachtet. Sie seien „faktisch vollvermietet“. Die Märkte in Köln und Hamburg steuerten auf diesen Zustand zu.

Folge von brummender Konjunktur

Die starke Nachfrage nach Büroflächen in Deutschland ist eine Folge der brummenden Konjunktur. Allerdings sind im vergangenen Jahr auch deutlich weniger neue Büros entstanden als in der Zeit zuvor. Bundesweit seien lediglich 1,6 Millionen Quadratmeter Neubaufläche entstanden, heißt es im Gutachten. Das entspreche gegenüber 2016 einem Rückgang von 16,5 Prozent.

In den sieben größten Metropolen des Landes brach die Fertigstellung sogar um rund 27 Prozent ein. Abhilfe lässt sich so schnell nicht schaffen: Die Kapazitäten der Bauwirtschaft sind aufgrund des boomenden Wohnungsbaus weitgehend ausgelastet.