Heute ist viel von „nachhaltigen Investments“ die Rede. Damit sind Investitionen gemeint, die nicht nur auf eine finanzielle Rendite abzielen, sondern auch auf eine soziale oder ökologische Wirkung.

Investoren, die sich im Internet oder bei Anlageberatern nach solchen Anlageprodukten umschauen, stoßen auf eine Vielzahl von Produktkategorien. Am häufigsten kommen vor: ESG (Environment, Social, Governance), Social Responsible Investments und Impact Investing. Es gibt mittlerweile international anerkannte Unterscheidungsmerkmale für diese Anlageprodukte, doch werden sie den Kunden häufig nicht transparent gemacht. Schindluder wird vor allem mit dem Begriff des Impact Investing getrieben.

Der Begriff ist offenbar so werbewirksam, dass er häufig als eine Art Oberbegriff für nachhaltige Investments verwandt wird. Allerdings handelt es bei dem Impact Investing um die Königsklasse, für das die knallharten Regeln des Global Impact Investing Network (GIIN) gelten: Die Wirkung der Investition muss demnach (a) beabsichtigt, (b) kausal bewirkt, (c) messbar sein und (d) gemessen werden und über den Erreichungsgrad der geplanten Wirkung berichtet werden.

Das Impact Investing unterscheidet sich so von weicheren Standards wie Social Responsible Investments, bei denen die positive Wirkung zwar beabsichtigt, aber keine Messung vorgesehen ist. Oder von dem noch weicheren ESG, der lediglich die Einbeziehung von Gesichtspunkten der Umwelt, des Sozialen und der Unternehmensführung in die Investitionsentscheidung fordert, sodass schädliche Wirkungen möglichst vermieden werden.

Legt man für das Impact Investing die oben aufgeführten Kriterien zugrunde, zeigt sich, wie klein dieses Anlagesegment in Deutschland noch immer ist. Gemäß einer Marktstudie der Bundesinitiative Impact Investing (BII) wurden im Jahr 2020 etwa 2,9 Milliarden Euro ins Impact Investing investiert.

Nach Angaben des GIIN lag das im Jahr 2020 weltweit in dieses Anlagesegment investierte Kapital bei 715 Milliarden US-Dollar (631 Mrd. Euro). Der deutsche Anteil hieran lag also bei lediglich 0,46 Prozent. Das ist erstaunlich wenig für eine der stärksten Volkswirtschaften der Welt mit einem gemäß Statista verwalteten Vermögen von 2,9 Billionen Euro im Jahr 2020 und einer Bevölkerung mit hoher Sensibilität für soziale Belange und dem Schutz der Umwelt.

Wie kommt es, dass Deutschland beim Impact Investing vielen anderen europäischen Ländern weit hinterherhinkt?

Der Hauptgrund hierfür ist unsere Staatsgläubigkeit. Die Sicherung unserer Zukunft sehen wir als eine Aufgabe des Staates, nicht als eine des privaten Sektors. Wobei übersehen wird, dass wir die UN-Entwicklungsziele nur erreichen und das Paris-Abkommen zur Begrenzung der Erderwärmung umsetzen können, wenn es gelingt, privates Anlagekapital hierfür zu mobilisieren. Und wenn der Privatsektor hierfür geeignete Ideen und Innovationen entwickelt!

Ein weiterer Grund ist unsere skeptisch-vorsichtige Haltung bei der Geldanlage. Speziell bei der Altersversorgung sind wir risikoavers: „Keine Experimente“, heißt es da. Wir verlassen uns auf das staatlich betriebene Umlagesystem und auf private Lebensversicherungen und Pensionsfonds, die in Deutschland so scharf reguliert werden, dass riskantere Impact Investments für sie kaum infrage kommen.

Warum jedoch sollten Lebensversicherung und Pensionsfonds nicht einen kleinen Prozentsatz ihres Anlagekapitals in das Segment des Impact Investing investieren dürfen? In Frankreich werden Pensionsfondsmittel mit Steuervorteilen ganz gezielt in die Richtung gelenkt. Eine Verordnung schreibt dort außerdem vor, dass Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten ihren Arbeitnehmern mindestens einen sogenannten Fonds Solidaire als Sparplan anbieten müssen.

Pensionsfonds und Lebensversicherung brauchen Anlageprodukte mit langer Laufzeit, weshalb sie für das Impact Investing eigentlich prädestiniert sind. Auch reguliert Deutschland Stiftungen hinsichtlich ihres Kapitalerhalts rigider als andere Länder – mit dem Ergebnis, dass Impact Investing – jedenfalls das Beteiligungsgeschäft mit seinen hohen Risiken und seiner längeren Kapitalbindung – für Stiftungen als Anlageprodukte für ihr Stiftungskapital schwerlich infrage kommt.

Das Impact Investing ist auch dem Vorurteil ausgesetzt, die Impact-Orientierung ginge unvermeidlich mit Rendite-Einbußen einher. Das ist durch Untersuchungen widerlegt – hält sich aber hartnäckig, möglicherweise, weil man Impact-Investitionen intuitiv in der Nähe des Spendens rückt.

Warum aber sollte beim Impact Investing keine risiko-adäquate Rendite erwartet werden können? Speziell im Segment der Frühphasen-Beteiligungsgeschäfts (Venture Capital) haben neue impact-orientierte Produkte große Chancen. Nehmen wir z.B. kompostierbares Plastik, denn es ist doch abzusehen, dass herkömmliches Plastik früher oder später durch nachhaltiges Material subsituiert werden muss. Das Risiko, das die Investoren hierbei tragen, ist, dass die Firma die Produktentwicklung nicht hinkriegt, Konkurrenten schneller oder besser sind oder dass die Skalierung, d.h. das Ausrollen einer Massenfertigung, nicht gelingt.

Beteiligungen in Start-ups, welche innovative Technologien entwickeln, sind sicherlich das wichtigste und risikoträchtigste Segment des Impact Investings. Aber das Segment hat auch andere Anlageprodukte mit hoher Wirkung im Angebot, die ein deutlich niedrigeres Risiko ausweisen, z.B. gebündelte Mikrokredite. Mithilfe von Mikrokrediten können sich Menschen, vor allem im globalen Süden, eine berufliche Existenz aufbauen. Anleger wertschätzen bei diesem Anlageprodukt, dass es mit dem Kapitalmarkt gering korreliert ist: Es macht die dortigen Ausschläge nach oben und unten nicht mit.

Das Impact Investing gilt vielen Vermögensverwaltern insgesamt noch als unausgegoren. Dies auch deshalb, weil es für die Wirkungsmessung noch keine internationalen Standards gibt, auf deren Grundlage die Wirkung einer Investition mit der einer anderen verglichen werden kann. Das stimmt, doch wird hieran fieberhaft gearbeitet. Bis eine Lösung gefunden ist, sollte das Diktum von John Maynard Keynes gelten: „Es ist besser, ungefähr richtig zu liegen, als präzise falsch.“  Wir liegen ganz sicher richtig, wenn wir als Impact-Investoren die Chance einer großen Wirkung und – als deren Kehrseite – finanzieller Erträge nicht verstreichen lassen.

Matthias von Bismarck-Osten war von 2006 bis 2020 Generalbevollmächtigter der Investitionsbank Berlin (IBB). Er gehört zum Unterstützerkreis von Revent Ventures, eines in ganz Europa investierenden Berliner Impact Investing Fonds.