Das Schiebedach geht auf und zu. Auf und zu. „Boa!“, sagt beeindruckt ein Junge, der in dem Auto neben seinem Vater sitzt. Dieser drückt mit viel Elan und dicken Fingern auf das Riesentouchdisplay in der Mittelkonsole. Hinter ihnen sitzt ein weiteres Kind. „Nochmal!“, sagt das kleine Mädchen. Zu dritt sitzen sie in einem roten Tesla S, einem großen Luxus-Elektroschlitten den man für rund 80.000 Euro besitzen kann und der in Teslas Showroom am Kudamm ausgestellt ist. Begeistert steigen die drei aus dem Wagen, der Vater fragt einen der drei Tesla-Mitarbeiter, ob er ein Prospekt für ihn hätte. „Prospekte haben wir nicht, alle Informationen finden Sie auf der Webseite, und wenn Sie uns ihre E-Mail-Adresse geben, kriegen Sie alle Neuigkeiten zugeschickt“, sagt der Mitarbeiter. Prospekte sind sowas von gestern. Tesla ist die Zukunft.

Die Wunderkinder

Eine Botschaft, die zumindest bei denjenigen Berlinern gut ankommt, die sich in den etwa 100 Quadratmeter großen und spartanisch eingerichteten Raum begeben. Einige von ihnen wissen bereits viel von dem kalifornischen Unternehmen, das von Elon Musk, einem Milliardär und Start-up-Wunderkind, geleitet wird und von ihm nach Nikola Tesla benannt wurde, dem 1856 in Kroatien geborenen Sohn eines serbisch-orthodoxen Priesters, der seinerzeit in New York zum Erfinder und Elektrotechnik-Wunderkind avancierte. „Werden Sie die Stückzahlen zum Jahresende erreichen?“, fragt beispielsweise ein Kunde einen anderen Mitarbeiter, als ob dieser der Firmenchef höchstpersönlich wäre.

Der Kunde spielt damit auf die am Montag veröffentlichten Konzernzahlen des ersten Quartals an, aus denen hervorgeht, dass der Elektroautobauer seine Absatzziele verfehlte. 14.820 Wagen brachte Tesla an die Kundschaft, 16.000 sollten es aber werden. Der Mitarbeiter im Showroom nickt zuversichtlich, was „selbstverständlich“ bedeuten soll. Und auch in der Tesla-Zentrale wurde verkündet, dass trotz der Startschwierigkeiten, das Absatzziel von 80.000 bis 90.000 Autos in diesem Jahr erreicht werde.

Dirk ist aus Berlin, er liebt Autos. Demnächst will der Vierzigjährige sich auch einen Tesla zulegen. „Es ist ein zeitgemäßes Auto und schont die Umwelt“, sagt er. Besonders wichtig ist ihm auch zu betonen, dass das Tesla Model S „aussieht wie ein richtiges Auto, auf Augenhöhe mit den Benzinern von Mercedes und BMW. Und meilenweit voraus bei den Elektroautos“. Warum ist das so? Dirk sagt, die Firma macht keine Kompromisse, kein Nischenprodukte, sondern setzt alles auf eine Karte, den Elektromotor.

345 Kilometer Reichweite

So ähnlich sieht das auch Gerd, der zurzeit in Berlin zu Besuch ist. Besonderes Interesse hat er an dem Model 3, das frühestens Ende nächsten Jahres nach Deutschland geliefert werden soll. Das Auto scheint sehr begehrt zu sein. 325.000 Bestellungen seien innerhalb einer Woche eingegangen. teilte das Unternehmen mit. Deswegen gibt es Wartelisten, auf die man aber nur gelangt, wenn man eine Anzahlung von 1000 Euro leistet. Demnach hätte Tesla bereits mehr als 325 Millionen Dollar eingenommen, ohne ein einziges Auto überhaupt ausgeliefert zu haben. Model 3 soll 35.000 Dollar kosten und mit vollem Akku 345 Kilometer weit fahren können. „Die Reichweite ist akzeptabel. Ich würde damit nicht nach Italien fahren, als Zweitwagen für die Stadt könnte ich mir das aber sehr wohl vorstellen.“

Die Taktik des Autokonzerns scheint aufzugehen: Zunächst hat Musk die Marke Tesla für Menschen mit dicken Geldbeuteln positioniert, zu einer begehrten Marke gemacht. Und nun legt der Konzern mit einem billigeren Modell nach, das für ein breiteres Publikum erschwinglich ist. Aber nicht für jeden: Ein Rentner kommt aus dem Laden, geht zu seiner Frau, sagt: „Elektroautos sind viel zu teuer, das kann sich doch niemand leisten.“