Berlin - Diese Zahl muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Bei 4,5 Prozent lag die Inflation in Deutschland im Oktober – so hoch wie seit 28 Jahren nicht mehr. Vor allem die Energiepreise sind förmlich explodiert. Das kann im Aufschwung, gerade nach den Turbulenzen der Pandemie, natürlich passieren. Für Menschen mit wenig Geld wird die Inflation aber zunehmend zum Problem. Zumal ein Ende des Preisauftriebs noch nicht erreicht sein dürfte. Schon im November könnte die 5-Prozent-Marke geknackt werden.

Inflation: DIW-Chef warnt vor Lohn-Preis-Spirale

Es ist kein deutsches Phänomen, dass die Preise steigen. Auch im Euroraum lag die Inflation zuletzt bei 4,1 Prozent. Und damit deutlich über dem Zielwert der EZB von zwei Prozent. Noch immer gilt: Vieles spricht dafür, dass die Inflation nur temporär anzieht. Doch was ist, wenn nicht? Der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, warnt bereits vor der berüchtigten Lohn-Preis-Spirale. Dabei handelt es sich um eine Art selbst erfüllende Prophezeiung: Da die Gewerkschaften damit rechnen, dass die Preise steigen, fordern sie höhere Löhne, die zu noch höheren Preisen führen – und erneut höheren Lohnforderungen. In der Folge steigt die Inflation immer weiter.

Es ist ein schmaler Grat, auf dem sich die Zentralbanken weltweit bewegen. Höhere Zinsen können den Aufschwung schnell ausbremsen. Doch irgendwann muss auch die Null-Zins-Politik ein Ende finden. Die Bank of England und die Federal Reserve haben bereits angekündigt, ihre Geldpolitik zu straffen. Die EZB hingegen will den Leitzins bei 0 Prozent belassen. Ihr sind dabei ein Stück weit die Hände gebunden. Viele Staatshaushalte in Südeuropa sind auf billiges Geld angewiesen. Die Zentralbank müsste daher, schon aus eigenem Interesse, alles daran setzen, die Inflationserwartungen zu dämpfen. Es wird Zeit für ein Signal an die Märkte.