Berlin - Der Begeisterungsfähigkeit von Maria Reinisch kann man sich schwer entziehen. „Ich bin überzeugt von der Energiewende – und will, dass sie gelingt“, sagt die Leiterin der Unternehmenskommunikation von Siemens Deutschland. Berlin soll eine Vorbildstadt für das Gelingen der Energiewende werden.

Reinisch hat es geschafft, binnen weniger Monate ihre Leidenschaft in ein bislang beispielloses Berliner Projekt umzusetzen: Führungsfrauen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik wollen gemeinsam daran arbeiten, dass die Energiewende in den Köpfen der Menschen ankommt. Warum nur Frauen? „Weil Frauen die Dinge oft anders angehen als Männer“, sagt Maria Reinisch mit einem Augenzwinkern, und setzt mit bayrischem Einschlag nach: „Nein, Schmarrn, natürlich wollen wir auch mit Männern zusammenarbeiten.“ Der harte Kern aber soll weiblich bleiben.

Und so haben sich in der vergangenen Woche Sigrid Nikutta, die Vorstandsvorsitzende der BVG, Katja Gieseking, Vorstandsmitglied bei der Gasag, Antje Minhoff, Geschäftsführerin von Minhoff, einer Firma, die Whiteboards herstellt, Vera Gaede-Butzlaff, Vorstandsvorsitzende der BSR, Andrea Grebe, Geschäftsführerin von Vivantes, Tülay Öger, Abteilungsleiterin Facility Management der BVG, Elke Pahl-Weber, Leiterin des Instituts für Stadt- und Regionalplanung der TU, und Melanie Bähr, Geschäftsführerin von „Berlin Partner“, zusammengesetzt und das Projekt gestartet. Ganz wichtig für alle Beteiligten ist, dass sich die Senatorin für Wirtschaft, Cornelia Yzer, bereit erklärt hat, die Schirmherrschaft für „Meine Energie für meine Stadt“ zu übernehmen. „Ohne die Politik geht es nicht“, sagt auch Maria Reinisch.

Die Energiewende braucht mehr als Windräder

Worum geht es? Um Umdenken, sagt Reinisch. Heute gibt es in großen Mengen Strom aus Windrädern und Sonnenkollektoren. Was aber fehlt, ist die Integration der erneuerbaren Energien in das Energiesystem. Die Windräder stehen oft still, weil zu viel Strom da ist. Wie also können wir unser Leben und unser Wirtschaften so umstellen, dass Wind und Sonne effektiv genutzt werden? Lastverschiebung heißt eine Lösung. Es sollte möglich sein, so im Gründungspapier der Gruppe, modellhaft zehn Prozent der Spitzenlast beim Berliner Stromverbrauch zu verschieben. Was das heißt? Wenn viel Wind weht, sollten wir auch mehr Energie verbrauchen oder sie speichern. Ein paar Beispiele: Warum fahren Aufzüge immer gleich schnell, egal, ob viel oder wenig Windenergie vorhanden ist? Warum können Kühlschränke oder große Kühlanlagen nicht koordiniert mit Wind und Sonne die Kühltemperatur regeln? Warum lohnt es sich nicht, die überschüssige Energie zu speichern? Warum verlegen Unternehmen zeitunabhängige energieintensive Arbeiten nicht in windreiche Zeiten?

Wir haben uns daran gewöhnt, dass Strom gleichbleibend zur Verfügung steht. Erneuerbare Energien aber sind angewiesen auf intelligenten Verbrauch. Warum gibt es keine Anreize, mit deren Hilfe Verbraucher, Firmen, Behörden ihren Energieverbrauch so steuern können, dass er der Erzeugung der Wind und Sonnenenergie folgt? Es mangelt aber auch an Energieeffizienz. Im Großen wie im Kleinen: Die Wärme in U-Bahn-Tunneln verflüchtigt sich ungenutzt, die Mittel zur energetischen Sanierung werden nicht abgerufen, E-Bikes können steuerlich nicht geltend gemacht werden. Es geht den Spitzenfrauen nicht um Idealismus. Die Initiatorinnen von „Meine Energie für meine Stadt“ sagen ganz klar: Die Energiewende braucht den wirtschaftlichen Vorteil. Für Unternehmen und Bürger.

Zunächst wird jetzt gesammelt: Informationen, Ideen, die es schon gibt, Ideen, die umgesetzt werden könnten. „Berlin Partner“ entwickelt eine Plattform, auf der die Ideen aufbereitet werden. Dann soll unter anderem ein Planspiel für Firmen entwickelt werden, mit dem modellhaft Lastverschiebungen ausprobiert werden können. Hier ist die Technische Universität dabei. Schließlich soll ein Preis ausgeschrieben werden für die beste Idee eines Unternehmens, die beste Bürgeridee und die beste Idee für eine Start-up-Innovation. Die Berliner Zeitung unterstützt „Meine Energie für meine Stadt“ und wird weiter darüber berichten.