Damit es wirklich vorwärtsgeht, darf nicht nur die Gründungsphase von Projekten und Firmen interessieren. (Symbolbild)
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Berlin - Das in der letzten Woche vorgestellte Gutachten der Expertenkommission für Forschung und Innovation (EFI) betont, dass die wirtschaftliche Leistungskraft in den ost-deutschen Ländern zugenommen habe. Die ökonomische Produktivität erreichte 2018 dort 83 Prozent des westdeutschen Niveaus; 1991 lag diese Quote bei nur 43 Prozent. Das spiegelt einen erfreulichen Trend, der die Konsequenz zusätzlicher Investitions- und Wirtschaftsprogramme ist. 

Positiv fällt auch auf, dass die Zahl der Unternehmensneu-gründungen in den östlichen Bundesländern kontinuierlich zugenommen hat. Und nicht zuletzt haben sich die pro Kopf getätigten Ausgaben für Forschung und Entwicklung im Osten während der vergangenen zwanzig Jahre mehr als verdoppelt.

Aber noch immer gibt es Schwachpunkte. Es fehlt in Ostdeutschland nach wie vor an multinationalen Konzernen mit globaler Aktivität. Investiert wird vor allem in regionale Netzwerke und örtliche Infrastruktur. Dabei spielen Hochschulen für angewandte Wissenschaften eine entscheidende Rolle als Initiatoren und Treiber. Für eine gedeihliche Entwicklung wäre es zwingend geboten, wenn nun auch mehr internationale Innovationsverbünde mit globalen Unternehmen entstehen könnten.

Technischen Universität Dresden zeigt, wie man es richtig macht

TU Dresden zeigt, wie man es richtig macht

Vor allem ist die im Vergleich mit dem Westen geringere Zahl forschungsintensiver Unternehmen augenfällig. Der Bericht markiert hier ein Defizit, das dringend behoben werden muss, damit die östlichen Bundesländer für hoch qualifizierte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer attraktiver werden. Zwar haben sich im Osten Spitzentechnologie-Branchen – etwa im Sektor des Luft- und Raumfahrtbaus sowie der Pharmaindustrie, Medizintechnik und der Werkstoffproduktion – etabliert. Doch gerade die industrielle Großforschung müsste in Kooperation mit den Hochschulen systematisch verstärkt werden – hier liegen enorme Potenziale für die Zukunft.

Der Innovationscampus der Technischen Universität Dresden zeigt, wie man es richtig macht. In Zusammenarbeit mit diversen Fraunhofer-Instituten gedeihen dort Projekte zur Materialkunde, Biotechnologie und Medizintechnik, zur Mikro- und Nanoelektronik. Wirtschaftliche Entwicklung hängt unmittelbar mit aufwendiger Großforschung zusammen – das dokumentiert der Weg, den Dresden eingeschlagen hat, deutlich.

Start-ups müssten besser gefördert werden

In den letzten Jahren entstanden diverse Programme des Bundes, die strukturschwache Landstriche im Osten fördern. Insbesondere der Umbau der früheren Kohleregionen erfordert Investitionen in erheblichem Umfang. Hier sind seit 2018 verschiedenste Maßnahmen eingeleitet worden, die der Entwicklung digitaler Leistungsangebote, der Förderung innovativer Start-ups und der Zusammenarbeit von Unternehmen und Forschungseinrichtungen dienen.

Damit es wirklich vorwärtsgeht, darf aber nicht nur die Gründungsphase von Projekten und Firmen interessieren. Gerade die Markteinführung neuer Produkte und Dienstleistungen gelingt im Osten seltener als im Westen. Es ist bekannt, dass zu viele Start-ups scheitern, ehe sie genügend Eigenkapital für weiteres Wachstum generieren. Das gilt für wissenschaftsbasierte Unternehmen mit ihren hohen Investitionskosten in besonderem Maße. Damit die östlichen Bundesländer nicht ins Hintertreffen geraten, sollte der innovationsträchtige Sektor der forschungsnahen Start-ups stärker denn je gefördert werden.