Hinweis zu einem Geldautomaten (Symbolbild)
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BerlinModerne Anmutung, digital aufgemacht – und speziell an Muslime gerichtet. Insha, eine Online-Auskopplung der türkischen Albaraka Bank, betreibt Banking nach islamischen Grundsätzen. Das heißt: Keine Zinsen, keine Investitionen in die Waffenindustrie oder in Glücksspielunternehmen.

Abgesehen von der Entwicklungsabteilung, die in der Türkei firmiert, sitzt das gesamte Team in Berlin. Denn die Banking-App gibt es zurzeit nur in Deutschland. 2020 will das Unternehmen nach Großbritannien und Frankreich expandieren.

Islamkonformes Banking ist ein Nischenprodukt

Der europäische Markt habe das größte Wachstumspotenzial im Bereich digitalem islamkonformen Banking, begründet das Unternehmen den Schritt. Tatsächlich ist islamisches Banking ein Nischenprodukt – hierzulande, aber auch in anderen Ländern. „In islamisch geprägten Ländern, einschließlich der Türkei, dominiert der konventionelle Bankenmarkt“, sagt Osman Sacarcelik, Experte im Bereich Banking bei Deloitte Legal. In der Türkei liege der Marktanteil gerade einmal bei fünf Prozent, in einigen Golfstaaten bei einem Fünftel. In Deutschland handelt neben Insha nur eine Bank nach islamischen Grundsätzen, das ist die vor fast fünf Jahren gestartete KT Bank mit eigener Banklizenz. Bei Insha wird die Bankerlaubnis von der Solaris-Bank zur Verfügung gestellt.

Potenzial sieht Yakup Sezer, Geschäftsführer von Insha insbesondere bei jungen Muslimen, die Digitalbanken wie N26 oder Monzo gewohnt seien und bisher keine islamkonforme Benutzererfahrung erhalten konnten. „Wir schätzen dieses Marktsegment allein auf 20 Millionen Menschen in ganz Europa“, sagt Sezer. Zurzeit zählt Insha 10.500 Kunden. Das Fintech richte sich außerdem nicht ausschließlich an Muslime – rund 50 Prozent der Kunden seien nicht religiös –, der Kern sei wertbasiertes Banking. „Wir sind überzeugt, dass eine klare Nachfrage nach Bankprodukten besteht, die nachhaltig und ethisch korrekt sind und moralische Werte in den Vordergrund stellen“, so Sezer.

Automatische Gebetserinnerung und Zakat-Rechner

Die Aufmachung der App von Insha ist andererseits eindeutig auf die muslimische Zielgruppe ausgerichtet: Neben dem normalen Girokonto gibt es etwa auch eine Moschee-Suche, eine automatische Gebetserinnerungen oder einen Zakat-Rechner – eine verpflichtende Sozialabgabe für Muslime.

Beim islamischen Banking wird nach dem Prinzip gehandelt, dass Gewinne und Verluste geteilt werden und zum anderen, dass Geld kein Geld in Form von Zinsen erzeugen kann. Um trotzdem Geld zu verdienen, nutzen islamische Banken Partnerschaften. Wenn eine Bank einem Unternehmen Geld leiht, zahlt das Unternehmen den Kredit zinslos zurück, gibt aber stattdessen der Bank einen Anteil an den Gewinnen. Konsumentenkredite sehen so aus, dass die Bank das Produkt auf Wunsch des Kunden für ihn kauft, der Kunde zahlt der Bank den Betrag in Raten mit einer geringen Gewinnmarge zurück. Hinzu kommt der Verzicht auf spekulativen Handel und der Verzicht in Investitionen in Branchen wie der Waffenindustrie.