Es ist leicht verfärbtes Wasser im Badebecken und man will wissen, was die Ursache dafür ist. Oder ist das Wasser aus dem Brunnen im Kleingarten trinkwassertauglich? Für den Verbraucher ist ein solcher Test kein Problem. Testmaterial beim Institut ifp anfordern, etwas Wasser in ein steriles Probegefäß füllen, das Gefäß in den Karton schieben und ab in den Briefkasten. Ein paar Tage später hat man – für einen Preis in der Regel zwischen 20 und 50 Euro – die Analyse zurück.

Hunderte solcher Proben bekommt das Institut für Produktqualität (ifp) in Berlin-Adlershof jeden Monat zugeschickt. Die Wissenschaftler um Institutschef Wolfgang Weber haben einen Wasserschnelltest entwickelt mitsamt standardisiertem Kit, der den Kunden zugeschickt wird und alles Notwendige enthält. „Im Prinzip können wir Wasser auf alle mögliche Inhalte untersuchen“, sagt Weber. So zum Beispiel auf das Vorkommen von Legionellen, von Blei und Schwermetallen, auf Keime, aber auch auf Nitrat, Pflanzenschutzmittel und in Kürze auch auf Arzneimittelrückstände.

Strenge Vorschriften

Erst im Januar hat das seit zehn Jahren bestehende Institut sein neues Domizil im Südosten Berlins bezogen. Von Steglitz zogen die Wissenschaftler und Laboranten in den Wissenschafts- und Technologiepark Adlershof, und zwar ins eigene Haus. „Hier haben wir jetzt den Platz, um zu expandieren“, sagt Institutsgründer Weber. Zudem biete die Nähe zu anderen Firmen am Standort Entwicklungspotenzial.

Der 52-Jährige stammt aus Baden-Württemberg, studierte dann an der TU Berlin Lebensmittelchemie. Im Dezember 2004 gründete er das Institut. Damals startete er mit der Entwicklung eines biologischen Vitamintests – und einem Mitarbeiter. Nun sind es 200.

In Adlershof werden nun innovative Diagnostika entwickelt und produziert, die über ausgewählte Partner weltweit vertrieben werden. Der Wasserschnelltest und die Diagnostika machen etwa 20 Prozent der Geschäftstätigkeit aus. Der größte Teil entfällt auf Dienstleistungen für die Industrie: Das Institut ist ein unabhängiges Kompetenzzentrum für die Analytik von Lebensmitteln, Pharmazeutika und Trinkwasser. Ob Süßwaren, Pizzen, Joghurt oder Fleischerzeugnisse – fast die gesamte Lebensmittelbranche ist Kunde in Adlershof. Denn die gesetzlichen Vorschriften für Lebensmittel sind streng, und Fehler können die Hersteller teuer zu stehen kommen. Bundesweite Aufmerksamkeit erfuhr das Institut im Jahr 2013. Damals erregte der Skandal um nicht deklariertes Pferdefleisch in Lasagne in ganz Europa die Gemüter. Aufgedeckt wurde der Skandal durch die Analyse im Institut.

Die Geschäfte laufen gut. Institutschef Weber kann seit 2010 auf weit überdurchschnittliche Wachstumsraten verweisen. Zu den Schwerpunkten gehört die Erkennung von Krankheitserregern sowie allergieauslösenden Substanzen (Allergenen), so in Schokoladen oder Milchprodukten. „Derartige Untersuchungen haben stark zugenommen, weil allergene Stoffe in Lebensmittel gekennzeichnet werden müssen“, sagte Weber. Während unseres Gesprächs wurden gerade Kakao-Bohnen angeliefert, die unter anderem auf Rückstände untersucht werden. Bei Fragen nach Pestiziden oder gentechnisch veränderten Lebensmitteln ist das ifp europaweit ein gefragter Partner.

Neben dem neuen Haus in Sichtweite des S-Bahnhofes Adlershof wächst schon ein weiteres Gebäude. „Den neuen Komplex werden wir Ende des Jahres beziehen“, sagt Weber. Die Auftragslage erfordere geradezu die Erweiterung. Ständig würden neue Mitarbeiter gesucht, „aber Fachkräfte sind knapp“, so Weber. Unter anderem sind Lebensmitteltechniker, biologisch-technische Assistenten, Lebensmittelchemiker, Ernährungswissenschaftler gefragt. Das Institut bildet mittlerweile selbst aus. Mittelfristig soll das ifp-Personal um 100 neue Mitarbeiter wachsen.