Es ist ein herber Rückschlag für den Börsenstandort Berlin und die Internetszene der Hauptstadt: Der Start-up-Finanzierer German Startups hat seinen geplanten Börsengang in letzter Minute abgesagt. „Die Entscheidung wurde aufgrund des fragilen Kapitalmarktumfelds getroffen“, teilte das Unternehmen am Dienstagabend mit. In diesem Umfeld sehe das Management keine Möglichkeit, die Gesellschaft zu einem angemessenen Kurs an die Börse zu bringen und die erwünschte Überzeichnung, also einen Nachfrageüberhang, zu erzielen. Im Klartext: Es gab zu wenige Interessenten an den Aktien.

Dabei waren die Bedingungen für den Börsengang, anders als es das Unternehmen darstellt, eigentlich gut. Die Griechenland-Krise scheint vorerst gelöst und auch der Kursverfall der Aktien an den chinesischen Börsen, der Anleger weltweit verunsicherte, ist zunächst gestoppt. Der deutsche Leitindex Dax hat in den vergangenen Tagen kräftig zugelegt. „Wenn es ein Unternehmen wie German Startups selbst in einem solch positiven Umfeld nicht schafft, seinen Börsengang durchzuziehen, muss man sich schon fragen, ob sie es überhaupt noch mal schaffen“, sagte Michael Kunert von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger.

Eigentlich sollte die Zeichnungsfrist für die Aktie nur bis vergangenen Donnerstag laufen und der Börsengang schon am darauf folgenden Freitag erfolgen. Doch angesichts der schleppenden Nachfrage nach der Aktie beschloss das Management zusammen mit den Konsortialbanken zuerst, die Zeichnungsfrist um ein paar Tage zu verlängern. Doch die erhoffte Nachfrage blieb aus.

Zu Beginn der Frist am 8. Juli sah es noch so aus, als würde der Börsengang von German Startups ein Erfolg: Im inoffiziellen vorbörslichen Handel rissen sich Anleger um die Aktie. Sie zahlten bis zu 4,20 Euro für das Papier, obgleich die offizielle Preisspanne nur 2,70 bis 3,60 Euro betrug.

Vertrauen erschüttert

Doch dann sank der vorbörsliche Aktienkurs kontinuierlich. Ein Grund war, dass der bereits seit vergangenem Herbst börsennotierte Berliner Konkurrent Rocket Internet genau in dieser Phase einen heftigen Kurseinbruch erlitt. Das Unternehmen hatte bekannt gegeben, sich frisches Geld bei Anlegern über eine sogenannte Wandelanleihe im Volumen von 550 Millionen Euro besorgen zu wollen. Bei steigenden Aktienkursen können diese Anleihen in Rocket-Aktien getauscht werden. Anleger befürchteten deshalb, dass sich die künftigen Gewinne des Unternehmens auf deutlich mehr Aktien verteilen werden – und verkauften die Papiere im großen Stil. Mittlerweile notiert die Rocket-Aktie deutlich unter ihrem Ausgabepreis vom vergangenen Herbst. Das dürfte auch den Interessenten an German Startups zu denken gegeben haben.

Hinzu kam ausgerechnet in der Zeichnungsphase der German-Startups-Aktien eine weitere schlechte Nachricht von Rocket Internet: Vergangene Woche stellte die Start-up-Schmiede den Einkauf- und Lieferdienst Shopwings, von dem sie sich viel versprochen hatte, in Deutschland ein. Auch dieses Ereignis trug dazu bei, das Vertrauen der Anleger in Rocket Internet und auch in German Startups zu erschüttern.

43 Firmen beteiligt

„Anleger müssen sich im Klaren sein, dass Start-up-Projekte immer wieder scheitern. Das gehört zur Natur der Sache“, sagt Aktionärsschützer Kunert. Deshalb seien Investments in Unternehmen wie Rocket Internet oder German Startups hochriskant. Und dessen würden sich viele Anleger derzeit wieder bewusst.

Die Konditionen des Börsengangs waren eigentlich anlegerfreundlich. So sollte der Großteil des Emissionserlöses nicht – wie häufig bei Börsengängen üblich – an Altaktionäre ausgeschüttet werden, sondern in das Wachstum investiert werden. Das Unternehmen wollte damit Beteiligungen an weiteren Start-ups erwerben oder bestehende Beteiligungen ausbauen. Einige dieser Pläne wird die Firma nun vermutlich auf Eis legen müssen, auch wenn German Startups sich am Dienstag beeilte mitzuteilen, dass die Verschiebung des Börsengangs keinen wesentlichen Einfluss auf den positiven Geschäftsverlauf des Unternehmens haben werde.

Aktuell hält German Startups Beteiligungen an 43 Firmen. Zu den bekanntesten zählen Mister Spex, Delivery Hero, Rebuy und Soundcloud. Ein Börsengang von German Startups hätte es Privatanlegern erlaubt, auf den Geschäftserfolg von Start-ups zu hoffen und daran zu partizipieren – wenn er denn eintritt.