Herr Fischer, Sie haben die 500 größten deutschen Unternehmen nach ihrer Einschätzung der Generation Y gefragt. Wie lautete der Tenor?

Die Urteile fielen ganz unterschiedlich aus. Allerdings überwogen die skeptischen Stimmen. Viele Unternehmen haben Zweifel daran, dass die Leistungsfähigkeit der Jungen mit ihrem Selbstbewusstsein Schritt hält. Die Generation Y verfügt zwar über mehr internationale Erfahrungen als frühere Generationen, gilt dabei aber als wenig mobil und sehr dem privaten Umfeld verhaftet. So kommen die plakativen Negativ-Urteile wie Kuschel-Fraktion oder Weichei-Generation zustande.

Teilen Sie diese Einschätzungen?

Nein, überhaupt nicht. Erstens ist das viel zu pauschal. Zweitens reden wir nicht über eine ganze Generation, sondern über eine Art Elite, über das am besten ausgebildete Viertel. Und drittens halte ich die stark abwertenden Bewertungen schlicht für falsch.

Spinnen die Personaler denn alle?

Nein, aber die Veränderungen gegenüber früheren Generationen werden bewusst pointiert, um Gehör zu bekommen. Natürlich fehlt es im Einzelfall mal an der Bereitschaft, von Hamburg nach München zu ziehen; oder an der Fähigkeit, sich selbst richtig einzuschätzen. Ein bisschen Größenwahn ist schon manchmal dabei. Aber alles in allem ist das eine tolle Generation, sie ist gut ausgebildet, sie ist international, und technologieaffin, sie ist leistungsbereit.

Und sie legt ausgeprägten Wert auf eine Work-Life-Balance.

Dagegen ist doch nichts zu sagen. Die jungen Leute wissen um ihren Wert, sie wissen, dass Sie die Demografie im Rücken haben und vermarkten sich entsprechend selbstbewusst. Der Wirtschaft stehen ja auch weiterhin rasche und tiefgreifende Wandlungsprozesse bevor. Es wird beispielsweise intelligente Strom- und Telekommunikationsnetze geben, die Elektro-PKWs mit oder ohne Fahrer in Mega Cities koordinieren. Dabei entstehen ganz neue Geschäftsmodelle. Aber auch Banken, Versicherungen, Handels-, Fahrzeug- und Maschinenbauunternehmen stehen vor einem tiefgreifenden Wandel der durch neue Internet-basierte Geschäftsmodelle möglich wird - all diese Branchen müssen sich neu erfinden. Dazu braucht man die besten jungen Köpfe, die kreativ denken und offen sind, Etabliertes grundsätzlich in Frage zu stellen.

Haben Sich die Unternehmen schon ausreichend auf die Generation Y eingestellt?

Viele mittelständische, vor allem technologieorientierte Unternehmen schon. In den großen Konzernen ist das mittlere Management oft noch nicht auf der Höhe der Zeit. Die meinen, mit einem Betriebskindergarten wäre für die Work-Life-Balance schon alles getan, bestehen auf Anwesenheitspflicht und halten von Home Office gar nichts. Vor allem überzeugen sie die jungen Talente inhaltlich nicht genügend. Als begehrte Arbeitgeber können sie sich diese Haltung jetzt noch leiten – aber nicht mehr lange.

Interview: Stefan Sauer