Interview mit IHK-Chef Eric Schweitzer: „Berlin ist einfach sexy“

Berlin - Die Zeit mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit war anfangs nicht einfach, sagt Eric Schweitzer, Präsident der Berliner Industrie- und Handelskammer. Die Stadt ist wirtschaftlich stärker geworden, aber auch der nächste Regierende hat genug zu tun.

Herr Schweitzer, Sie haben zu Wowereits Rücktrittsankündigung erklärt, dass er der IHK und der Berliner Wirtschaft fehlen werde: Wo denn? Als Gastredner auf dem Neujahrsempfang der IHK?

Wir werden Klaus Wowereit weiterhin zu diesem Anlass einladen, er ist bei uns gern gesehen. Und dass er nicht mehr reden muss, darüber wird er nicht traurig sein. Unsere Beziehung zum Regierenden Bürgermeister hat seit 2001 Höhen und Tiefen durchgemacht. Ein Tief war beispielsweise die Schließung des Flughafens Tempelhof, den wir als Wirtschaft gern erhalten hätten. Aber in den letzten vier, fünf Jahren war unser Verhältnis wirklich sehr gut, partnerschaftlich und fair.

Was hat den Wandel gebracht?

Er hat sich zunehmend um die Belange der Firmen, der Investoren gekümmert. Er war immer für uns ansprechbar und erreichbar, wenn es um Ansiedlungen oder Probleme ging.

Können Sie drei Projekte benennen, mit denen der Senat in der Ära Wowereit die Berliner Wirtschaft beflügelt hat?

Erstens: die Industriepolitik. Vor nicht allzu langer Zeit gab es noch viele, die meinten, Berlin braucht überhaupt keine Industrie mehr. Das hat sich total geändert. Dass heute Industrie nicht mehr nur stört, das hat auch mit ihm zu tun. Es gibt inzwischen parteiübergreifend das Verständnis, dass wir für den Wohlstand der Stadt auch eine starke Industrie brauchen.

Für diese Erkenntnis hat Wowereit selbst aber auch lange gebraucht. Er stand am Anfang eher für die Themen Mode, Kreativwirtschaft, Musikgeschäft, Kulturszene.

Die Industrie war am Anfang nicht sein Kernthema, stimmt. Aber man kann dazu lernen. Geht mir doch genauso.

Wir waren gerade bei Punkt zwei.

Wowereit hat maßgeblich am Zusammenschluss von Berlin Partner mitgewirkt. Berlin hatte ja früher mal fünf Wirtschaftsfördergesellschaften. Jetzt ist Berlin weitaus schlagkräftiger aufgestellt. Auch dass die Stadt inzwischen nach Paris und London die meisten Touristen in Europa hat, ist mit ihm verbunden. Im Tourismus-Sektor arbeiten fast 300.000 Menschen. Berlin ist einfach sexy. Und dass inzwischen alle wollen, dass aus Tegel, wenn der Flughafen geschlossen ist, ein Industrie- und Wissenschaftspark wird, daran, hat er maßgeblich mitgewirkt.

Genug, das sind schon vier Punkte ...

Ich hab noch einen: Wowereit war ein großartiger Botschafter Berlins. Im Ausland hat er viel dafür getan, Politiker wie Manager für Berlin zu interessieren und Investoren hierher zu holen. Ich saß mit ihm mal eine Stunde beim Emir von Katar, der normalerweise nur 15-Minuten-Termine vergibt, aber nicht für Bürgermeister. Was Wowereit geleistet hat, war nicht immer sichtbar, aber immer wirksam. Die Weltoffenheit der Stadt, die Vielfalt der Szene und auch das Unfertige sind ja auch Gründe dafür, dass hier so viele Start-ups zu Hause sind.