Frau Pick, was bedeutet die Niederlage der Stiftung Warentest für den Verbraucherschutz?

Das Urteil hat dem Verbraucherschutz und auch der Stiftung Warentest nicht geschadet. Wichtig ist aber die Debatte, die damit wieder geführt wurde. Was soll und darf in Lebensmitteln drin sein? Es ist Aufgabe des Verbraucherschutzes, dieses Thema immer wieder anzusprechen. Darum werden die Stiftung und der Verbraucherschutz weiter eine wichtige Rolle einnehmen.

Außerdem war dieser Fall eher irrelevant. Es ging vorrangig um die Bezeichnung des Aromas und des Herstellungsprozesses, nicht um eine Gefährdung der Gesundheit oder dergleichen. Wichtiger als die Inhaltsstoffe von Schokoladeprodukten sind den Konsumenten immer noch Tests zu Autos, Waschmaschinen oder Fahrrädern.

Also hält sich der Imageschaden für die Stiftung Warentest in Grenzen?

Ja, und in ein paar Wochen wird das Urteil kaum noch jemanden interessieren. Stiftung Warentest hat immer noch einen sehr guten Ruf. Sie hat einen großen Einfluss darauf, was wir kaufen und erreicht viele Konsumenten in Deutschland. Indem sie die Qualität von Produkten testet, bietet sie eine wichtige Orientierung für die Käufer. Deshalb hat Ritter Sport vermutlich Wert auf das Urteil gelegt. Denn eine schlechte Bewertung durch die Stiftung Warentest kann einen hohen Verlust von Reputation und Umsatz für das Unternehmen bedeuten.

Hat die Stiftung Warentest damit eine Monopolstellung?

Nein, das würde ich nicht sagen. Mittlerweile haben die Konsumenten viele Möglichkeiten, sich zu informieren, sowohl im Internet als auch in Printberichten. Stiftung Warentest genießt aber definitiv ein hohes Ansehen und viel Vertrauen. Im Printbereich ist Stiftung Warentest Marktführer.

Die Tester wurden schon einige Male kritisiert. Zum Beispiel wehrten sich Elektrorad-Hersteller gegen vernichtende Testnoten. Dabei hatten sie sich an die gesetzlichen Vorgaben gehalten. Bewerten die Tester willkürlich?

Letztlich ist die Stiftung Warentest ein eigenständiges Unternehmen, das Konsumenten informiert und darüber Geld verdient. Sie entscheidet selbstständig, welche Kriterien und Normen sie ansetzt bei den Tests. Dabei kann sie auch strenger sein, als es das Gesetz den Unternehmen vorschreibt. Mit den strengeren Kontrollen, die viele Konsumenten auch vom Verbraucherschutz erwarten, versucht die Stiftung Warentest, den Finger in die Wunde zu legen und umfassend zu informieren. Denn zum Teil sind die gesetzlichen Vorgaben sehr unternehmerfreundlich.

Wer aber kontrolliert die Tester?

Ich denke, das ist nicht nötig. In der Stiftung Warentest gibt es viele Gremien in denen wiederum mehrere Personen Einfluss haben. Vor den Tests wird die Stiftung diskutieren, welche Kriterien sie prüfen wollen. Das sind meist auch die Faktoren, die die Konsumenten am meisten interessieren. Stiftung Warentest will Unternehmen ökonomisch nicht in Bedrängnis bringen, sondern Transparenz schaffen.

Das Gespräch führte Juliane Meißner.