Die Probleme bei der Rettung des Unternehmens scheinen sich zu häufen.

Am wichtigsten für die Fortführung der Drogeriemarktkette ist, dass möglichst schnell ein Investor gefunden wird. Erst vor wenigen Tagen ist der osteuropäische Finanzinvestor Penta abgesprungen, der zum engeren Kreis der Bewerber zählte. Daraufhin erklärte ein Sprecher des Insolvenzverwalters, dass man noch fünf ernsthafte Interessenten habe. Laut Financial Times Deutschland schätzt Insolvenzverwalter Geiwitz die verbliebenen Gebote aber offenbar als „zweifelhaft“ ein. Sie seien niedrig und sollten teils komplett durch Kredite finanziert werden.

Offiziell wird das nicht bestätigt. „An der Qualität der Angebote hat sich nichts geändert“, sagte ein Sprecher des Insolvenzverwalters am Mittwoch zu dem Bericht. Man sei weiter mit seriösen Investoren im Gespräch. Zu den Informationen, dass das Vorhaben scheitere, Schlecker in einem sogenannten Plan-Insolvenzverfahren zu sanieren, sagte er nichts. Bei einer Planinsolvenz bleibt die Geschäftsführung eines Unternehmens im Amt und führt die Geschäfte unter Aufsicht des Insolvenzverwalters weiter.

Verträge auf neues Unternehmen übertragen?

Stattdessen ist nun offenbar im Gespräch, den Besitz und die Verträge von Schlecker auf ein neu zu gründendes Unternehmen zu übertragen. Die Schulden verblieben dann bei Anton Schlecker.  Damit wäre auch das Schlecker-Management außen vor.

Das dürfte zumindest der Gewerkschaft Verdi in die Karten spielen. Sie ist mit einzelnen Personen im Management unzufrieden. „Es muss einen deutlichen Wandel im Schlecker-Management geben“, sagte Verdi-Sprecher Christoph Schmitz der Frankfurter Rundschau. Es gebe noch immer einzelne Köpfe im Schlecker-Management, die  nicht verinnerlicht hätten, dass ein guter Umgang mit den Arbeitnehmern wichtig sei.

Verdi und Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz konnten sich bislang noch nicht über die Aufnahme von Verhandlungen über einen Sanierungstarifvertrag verständigen. „Es gibt nach wie vor offene Fragen“, sagte Schmitz. „Wir wollen erfahren, welche Vorstellungen die Investoren von der Fortführung der Drogeriemarktkette  haben.“ Zu dieser Frage halte sich der Insolvenzverwalter derzeit bedeckt. Am Mittwoch finden erneut Sondierungsgespräche zwischen den Tarifparteien statt. „Wir bemühen  uns um schnellstmögliche Lösungen“, sagte Schmitz.

Am Freitag tagt die Bundestarifkommission Schlecker von Verdi. Sie muss darüber entscheiden, ob sie grünes Licht gibt für die Verhandlungen über einen Sanierungstarifvertrag. Ob das Unternehmen mittels einer Planinsolvenz oder mit einem anderen Verfahren saniert wird, ist für die Gewerkschaft offenbar unbedeutend. „Wir sind offen, was die Art des Verfahrens angeht“, so der Verdi-Sprecher.

Mitarbeiter reichen Klage gegen Kündigung ein

Kopfzerbrechen dürften Geiwitz auch die Kündigungsschutzklagen bereiten. Der Insolvenzverwalter hatte stets davor gewarnt, dass anhängige Gerichtsverfahren mögliche Investoren abschrecken könnten. Den Kündigungsschutzklagen sind auch für den Arbeitgeber teuer und sorgen für Planungsunsicherheit. Die Gewerkschaft Verdi hat ihre Mitglieder nicht dazu aufgefordert, gegen die Kündigungen rechtlich vorzugehen. Experten schätzten die Erfolgschancen als gering ein.

Trotzdem haben nun Hunderte Ex-Schlecker-Beschäftigte  mit der rechtlichen Unterstützung von Gewerkschaften Klage gegen ihre Kündigung eingereicht. Diesen Weg beschritten bundesweit mehr als 500 Ende März gekündigte Mitarbeiterinnen der insolventen Drogeriekette, wie Sabine Burgschat vom Rechtsschutz des Deutsches Gewerkschaftsbundes (DGB) erklärte. Der DGB-Rechtsschutz sei etwas überrascht über die vergleichsweise geringe Zahl. „Wir gehen davon aus, dass sich viele Frauen nicht getraut haben“, sagte Burgschat.  Weitere gekündigte Schlecker-Beschäftigte haben allerdings Klagen ohne die Hilfe der Gewerkschaften eingereicht und sich selber einen Anwalt besorgt. Denn alleine beim  Landesarbeitsgericht in Stuttgart liegt die Zahl der eingereichten Kündigungsklagen bei insgesamt 462. Bereits in dieser Woche sind in einigen Gerichten Güteverhandlungen geplant.

Ende März war im Zuge der Schlecker-Pleite bundesweit mehr als 10.000 Beschäftigten gekündigt worden, nachdem eine Auffanggesellschaft für diese gescheitert war.