In Deutschland fällt am Freitag der allergrößte Teil der Ryanair-Flüge aus. Die Piloten des Billigfliegers streiken, ebenso wie deren Kollegen in Irland, Belgien und Schweden. Der Ausstand ist nur möglich, weil sich Flugzeugführer über Landesgrenzen hinweg organisieren und koordinieren.

Solidarität unter Arbeitnehmern über Ländergrenzen hinweg

Der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB) hat dies als „gutes Signal“ gewertet. Er sei „für viele auch ein Zeichen in anderen Unternehmen, wo Arbeitnehmer gegeneinander ausgespielt werden“, sagte Peter Scherrer, EGB-Vize-Generalsekretär dem Sender RBB.  Er erwähnte dabei beispielhaft Amazon. Unternehmen könnten „gewerkschaftliche Rechte nicht einfach ignorieren, wenn sich Arbeitnehmer in verschiedenen Ländern zusammenschlössen“. Genau das ist eine Voraussetzung dafür, dass der Arbeitskampf bei Ryanair überhaupt in Gang kam.

Lange trauten sich die Piloten nicht aufzumucken, auch aus Angst vor Repressalien durch das Management. Zumal immer die Drohung in der Luft lag, dass die Airline kurzfristig Flugzeugführer von anderswo anheuert, die einen Ausstand wirkungslos machen. Doch inzwischen haben sich die Zeiten geändert. Frauen und Männer fürs Cockpit sind wegen des Booms in der Luftfahrt inzwischen sehr begehrt. Das hat den Beschäftigten bei Ryanair Mut gemacht. Schon vor einigen Monaten  begannen die Pilotengewerkschaften der verschiedenen Länder, eine konzertierte Aktion zu planen. Als Plattform dafür diente  die European Cockpit Association (ECA), die bereits seit 1991 existiert, aber bis Anfang des Jahres kaum öffentlich in Erscheinung getreten war. Ähnlich lief es bei den Flugbegleitern, deren Gewerkschaften sich in der European Cabin Crew Association (Eurecca) zusammenarbeiten.

Tarifrecht in jedem Land unterschiedlich

Das Problem der Organisationen: Trotz des europäischen Binnenmarktes gibt es in jedem Land andere Bestimmungen im Tarifrecht und sehr unterschiedliche Regeln im Arbeitsrecht. Die ECA hat dennoch das Kunststück zustande gebracht, gemeinsame Ziele für die Verhandlungen mit Ryanair zu formulieren. So sollen die Piloten künftig direkt bei dem irischen Unternehmen angestellt werden. Das ist zwar bei Mehrheit der Kapitäne der Fall. Aber ein Großteil der Co-Piloten arbeitet als Scheinselbstständige. Das gilt übrigens auch für die Kabinen-Crews, die überwiegend über Zeitarbeitsfirmen zu der irischen Airline kommen. Außerdem soll künftig das Arbeitsrecht des Landes gelten, in dem die Beschäftigten leben und arbeiten. Ryanair hat sich in der Vergangenheit immer wieder auf die laxen irischen Regeln zurückgezogen.

Die Piloten fordern auch ein Konzept für Karriere- und Aufstiegschancen bei dem irischen Billigflieger – so wie das bei anderen Airlines üblich ist: Mit der Zahl der Dienstjahre steigt das Gehalt. Ryanair soll ein Treueprogramm zur Mitarbeiterbindung auflegen. Und schließlich: Die Bezahlung soll einheitlich transparent dargelegt werden und gleichzeitig die regionalen Besonderheiten  abdecken – die deutschen Piloten verlangen, dass sich ihre Bezahlung künftig an den Pilotengehältern beim Ferienflieger Tuifly orientiert.