Leckere Ananasstückchen oder ganze Erdbeeren flankieren die Schokolade, die auf den Verpackungen abgebildet sind. Doch ob es sich nun um "gefüllte Alpenmilchschokolade Erdbeer Joghurt" (Milka) oder um "Gelee Ananasecken in Zartbitterschokolade" (Edeka) handelt: die Früchte befinden sich allenfalls in Spuren oder lediglich als Aroma in dem Produkt. Dies sind nur einige Beispiele von vielen, über die sich Verbraucher auf dem Internet-Portal www.lebensmittelklarheit.de derzeit massenhaft beschweren.

„Verbraucher fühlen sich regelmäßig getäuscht, weil die abgebildeten Früchte in den Produkten fehlen“, sagt Hartmut König, vom Bundesverband der Verbraucherzentralen in Berlin. Aus diesem Bereich kommen zahlreiche Beschwerden, bestätigt König: „Während die nicht vorhandene Frucht bei Süßwaren auf der Vorderseite prangt, ist ein Aromenzusatz erst im Kleingedruckten erkennbar.“ Die Verbraucherzentrale verantwortet das Portal.

„Mehr Schein als Sein“

Nicht nur Süßwaren, sondern auch andere Lebensmittel wie Tees oder Getränke werden mit Früchten beworben. Dass dies für die Kunden irreführend sein kann, kritisiert die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) "Papaya-Schoko-Knusper" klinge einfach appetitlicher als "Puffreisriegel mit Schokoladenüberzug und natürlichem Aroma", kritisieren die Verbraucherschützer. "Mehr Schein als Sein ist offenbar das Credo der Anbieter", moniert Gerd Billen, Chef des vzbv.

Nach Billens Überzeugung hat die Branche bei der aktuellen Änderung ihrer internen Zuckerwaren-Richtlinie die Chance vertan, auf Kundengewinnung durch Qualität zu setzen, kritisiert Billen weiter. Stattdessen betrieben die Zucker- und Süßwarenbetriebe immer noch Kundentäuschung mit Früchtewerbung auf Verpackungen.

Erdbeerbonbon ohne Erdbeere

Die Ernährungsbranche hält dagegen: "Hier kommt es sehr stark auf einzelne Produktgruppen an", sagt ein Sprecher des Bundn für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL). Insbesondere bei Zuckerwaren argumentiert die Süßwarenindustrie, solche Abbildungen seien seit Jahren handelsüblich und würden als Hinweis auf die Geschmacksrichtung verstanden. "Man erwartet nicht, das in einem Erdbeerbonbon Erdbeeren sind", sagt Girnau.

Trotzdem fordern die Verbraucherzentralen die Branche nachdrücklich auf, die Zuckerwaren-Richtlinie zu ändern und die Verbrauchertäuschung zu beenden. Die Richtlinie des BLL, die seit 1995 gilt, stellt dar, dass Hinweise auf Früchte auch dann gemacht werden können, wenn nur Aromen eingesetzt werden. Nur bei Verwendung von „künstlichen Aromastoffen“ sind entsprechend der Richtlinie „Bezeichnungen, Abbildungen und Formgebungen“ der jeweiligen Frucht „nicht üblich“.

Im Detail verlangen die Experten, keine Fruchtabbildungen zu verwenden, wenn nur Aromen, Fruchtanteile oder Konzentrate aus Früchten zur Geschmacksgebung eingesetzt werden. Zudem sollte ein Einsatz von Aromen schon auf der Vorderseite der Verpackung deutlich sichtbar sein.

Gesetz für Kinderlebensmittel gefordert

Probleme sehen Verbraucherschützer insbesondere bei speziellen, für Kinder beworbenen Lebensmittel, wie etwa Kindertees. So war im Sommer der Hersteller Hipp mit Zuckergranulat-Tees für Kleinkinder in die Schlagzeilen geraten, nachdem zehntausende Verbraucher bei einer Abstimmung von Foodwatch für Hipp votierten. Mittlerweile hat der Babynahrungshersteller reagiert. Die kritisierten Produkte sind vom Markt verschwunden und werden seit November durch fast zuckerfreie Teebeutel ersetzt.

Verbraucherschützer fordern besondere gesetzliche Regelungen für den Kinderlebensmittelmarkt: Solche Lebensmittel dürften "nur einen dem tatsächlichen Ernährungsbedarf angepassten Anteil an Fett- beziehungsweise Zucker enthalten, sagt Hartmut König. Er verweist auf die EU-Health-Claims-Verordnung, die bestimmte Ernährungsprofile vorsieht. Aber "die Lobby der Ernährungswirtschaft konnte diese Ernährungsprofile bisher aber erfolgreich verhindern." Hier wäre eine nationale gesetzliche Regelung notwendig.