Berlin - Vom Notenbanker-Symposium in Jackson Hole versprachen sich viele Beobachter am Freitag ein klares Signal zur Geldpolitik. US-Zentralbankchef Jerome Powell, so die Annahme, würde während seiner Rede nicht nur Worte finden, sondern auch Taten ankündigen. Gewisser Weise hat Powell das auch. Aber viel vager als angenommen.

Und so hieß es am Freitag nicht: Wir beginnen mit dem Tapering – also das Anleihenkaufprogramm zurückzufahren, das die Federal Reserve (Fed) zu Beginn der Pandemie aufgelegt hat und mit dem sie immer noch jeden Monat 120 Milliarden US-Dollar in Wertpapiere wie US-Staatsanleihen investiert. Stattdessen sagte Powell: „Es könnte angemessen sein, in diesem Jahr mit dem Tapering zu beginnen.“

Der Fed-Vorsitzende zeigte sich einerseits mit den Entwicklungen am US-Arbeitsmarkt zufrieden. Im Unterschied zur Europäischen Zentralbank hat die Fed neben ihrer Rolle als Währungshüterin auch das Mandat, den Arbeitsmarkt zu stabilisieren. Mit Blick auf das Inflationsziel sprach Powell sogar von „substanziellen weiteren Fortschritten“.

Powell betonte wiewohl andererseits, dass sich in der Corona-Krise die Delta-Variante weiter ausgebreitet habe. Die Notenbank werde die Entwicklung beobachten. Und einen weiteren Punkt stellte der Vorsitzende der Fed heraus: Sollte die Fed dieses Jahr mit dem Tapering beginnen, sei das kein unmittelbares Zeichen dafür, dass sich darauf bald eine Zinserhöhung anschließe.

Übersetzt aus der Notenbanker-Welt ist das nicht, was Beobachter erwartet hatten, aber doch eine Ansage. Wird doch jeder in der Geldpolitik vorgetragene Satz sorgfältig darauf geprüft, welche Wirkung er auf die Kapitalmärkte haben könnte. Ein Paradigma, das spätestens gilt, seitdem der ehemalige Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, die Märkte 2012 in der Schuldenkrise mit drei Worten beruhigt hat: „Whatever it takes.“

Wie zuletzt 2013 steht die Fed mit dem Tapering immerhin wieder vor einer großen Entscheidung. Zumal auf diese Entscheidung mit dem „Taper Tantrum“ 2013 ein zumindest in der ersten Reaktion der Märkte böses Erwachen folgte. Die Ankündigung des damaligen Fed-Vorsitzenden Ben Bernankes, die Anleihenkäufe womöglich bald zu reduzieren, führte vor acht Jahren zu deutlich steigenden Zinsen und damit zu erheblichen Kursverlusten bei Anleihen. Der amtierende Fed-Chef Powell saß damals bereits im Gouverneursrat der Federal Reserve.

An der Wall Street blieb Powells Rede am Freitag nicht ohne Wirkung. Anleger goutierten Powells Worte, der S&P 500, in dem die 500 größten börsennotierten US-Unternehmen gelistet sind, stieg nach der Rede um 0,7 Prozent. Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen fielen um 0,04 Prozentpunkte auf 1,31 Prozent.