Die Zahl der neugebauten Wohnungen in Deutschland ist im vergangenen Jahr wieder unter die Marke von 300.000 gesunken. Mit 293.393 fertiggestellten Einheiten wurde das Ziel der Politik von jährlich 400.000 neuen Wohnungen klar verfehlt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes vom Montag lag die Zahl um 4,2 Prozent unter Vorjahresniveau. Im Jahr 2020 waren erstmals seit 2001 wieder mehr als 300.000 neue Wohnungen in Deutschland entstanden.

Der 2011 begonnene jährliche Anstieg der Zahl fertiggestellter Wohnungen setzte sich damit 2021 nicht weiter fort, wie die Wiesbadener Behörde mitteilte. Viele Bauvorhaben stocken auch deshalb, weil Arbeiter fehlen und die Preise für Baumaterialien kräftig angezogen haben.

Nach Einschätzung von Politik und Bauwirtschaft müssen in Deutschland jährlich 350.000 bis 400.000 Wohnungen fertig werden, um die große Nachfrage nach Immobilien zu stillen und die Wohnungsnot in Städten zu bekämpfen. Die Bundesregierung hat sich zudem zum Ziel gesetzt, für mehr bezahlbaren Wohnraum sorgen.

In den Zahlen des Bundesamtes sind sowohl die Fertigstellungen neuer Gebäude als auch Baumaßnahmen an bestehenden Gebäuden enthalten.

Die IG Bauen Agrar Umwelt verlangte ein „Sonderpaket sozialer Wohnungsbau“. Rund 20.000 Euro könnten bei einer Sozialwohnung mit 60 Quadratmetern gespart werden, wenn der Mehrwertsteuersatz für den sozialen Wohnungsbau von 19 auf 7 Prozent gesenkt würde, erklärte Gewerkschaftschef Robert Feiger in Frankfurt. Zudem müsse man stärker auf den Umbau nicht mehr benötigter Büros setzen.

Mehr Genehmigungen, weniger Bauprojekte

Zwar stieg die Anzahl der Baugenehmigungen im vergangenen Jahr um 3,3 Prozent, gleichzeitig wurden aber weniger Bauprojekte umgesetzt. Der Überhang an genehmigten aber nicht umgesetzten Bauprojekten stieg somit im Vorjahresvergleich um gut 67.000 auf rund 846.000 Wohnungen, den höchsten Stand seit 1996.

Gründe für die hohe Zahl an nicht umgesetzten Bauprojekten waren laut den Statistikern Lieferengpässe und Rohstoffknappheit. Hinzu kamen deutliche Preissteigerungen wegen der erhöhten Nachfrage nach Baustoffen wie Holz und Stahl sowie Personalmangel im Baugewerbe.

Der Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW, Axel Gedaschko, warnte angesichts der Zahlen vor einem „dramatischen Einbruch beim Wohnungsbau in Deutschland“. Gedaschko forderte angesichts der großen Unsicherheiten mehr Planungssicherheit für Bauunternehmen. Die Regierung müsse mit einer „verlässlichen und auskömmlichen Fördersystematik sowie einer wirksamen Rohstoffstrategie zur nachhaltigen Versorgung von Deutschlands Baustellen“ gegensteuern, forderte er.