Der Rücktritt von Bundesbankpräsident Jens Weidmann muss von Anhängern der Geldwertstabilität als Alarmsignal gewertet werden: Weidmann hatte jahrelang versucht, sich einem über die Geldpolitik betriebenen Umbau der Euro-Zone zu einer Schuldenunion zu widersetzen. Der Bundesbanker hat dabei die Balance gehalten, zwischen offener Kritik und Loyalität. Er ist ein sehr ruhiger und besonnener Vertreter seiner Zunft, eine Mischung aus Beamtem – im besten Sinn, also Staatsdiener mit Prinzipien! – und Notenbankier.

Sein abruptes und von niemandem erwartetes Ausscheiden ist nicht das Zeichen von Frustration, sondern von Realismus: Die deutschen Tugenden – harte Währung, Augenmaß, Sparsamkeit und Verantwortungsbewusstsein – zählen in der Welt des Turbo-Finanzkapitalismus nicht mehr. Die Geldpolitik ist zum Casino verkommen. Die Grenzen zwischen privaten und staatlichen Interessen sind gefallen.

Das Prinzip, das aus der Finanzkrise bekannt ist, gilt weiterhin und nun auch verstärkt in der Euro-Zone: Gewinne werden privatisiert, Verluste verstaatlicht. Weidmann hatte bei diesem gefährlichen Treiben stets die deutschen Sparer im Blick – auch das ist eine gute Bundesbanktradition. Doch mit Negativzinsen ist der Sparer qua Definition der Dumme. Die Welt liegt den Spekulanten zu Füßen.

Weil aber jetzt schon zu erkennen ist, dass die Inflationsrate steigt und die Geldpolitik keine wirksamen Mittel mehr hat, um gegenzusteuern, können sich die Sparer in der Euro-Zone schon einmal auf einschneidende Maßnahmen gefasst machen: Die vom IWF vor vielen Jahren zur Lösung der Schuldenkrise geforderte Vermögensabgabe wird kommen. Die Party werden nicht jene bezahlen, die am meisten getrunken haben. Die Zeche bleibt bei jenen hängen, die dann noch etwas in der Tasche haben.

Bei diesem Treiben will Jens Weidmann nicht mehr in der ersten Reihe stehen. Er hat lange gewarnt und wurde nicht gehört. Sein Rücktritt ist ein Schock und zugleich nur allzu verständlich.