Berlin - Wer sich etwas genauer für Zalandos Firmengeschichte interessiert, bekommt dort sehr bald die Story vom steilen Aufstieg einer studentischen Hilfskraft serviert, die in der Gründerzeit des Onlineshops von einer Torstraßen-WG aus Schuhkartons verschickte und später Vorstandsassistentin der beiden Gründer wurde. Dies soll wohl die Karriere-Chancen im Vorzeige-Start-up der Nation illustrieren, vielleicht auch nur die Dankbarkeit der Chefs.

Es erinnert in jedem Fall daran, dass es Frauen im Hause Zalando zwar bis in die Vorstandsetage schaffen können, ihnen ein Vorstandsposten bislang jedoch verwehrt blieb. Doch das ist vorbei. Denn an diesem Donnerstag platzt Astrid Arndt in die Männerrunde und wird beim baldigen Dax-Aufsteiger als erste Frau einen Vorstandsposten übernehmen. Als Chief People Officer verantwortet sie fortan die Gestaltung der Unternehmenskultur und des Personalmanagements in dem 2008 gegründeten Unternehmen.

Förderung der inklusiven Kultur

Tatsächlich hatte Arndt erst vor drei Jahren bei dem Berliner Online-Modekaufhaus angeheuert. Ihre Karriere begann im Personalbereich, wo sie mit Ideen für die Zukunft der Arbeit und neue Mitarbeiter-Entwicklungsprogramme Zeichen setzte. Auch einige Initiativen zur Förderung einer vielfältigen und inklusiven Kultur im Unternehmen gehen auf sie zurück. „Astrid hat bewiesen, dass sie ein tiefes Verständnis der Mitarbeiterkultur hat“, sagt Zalandos Mitgründer und Co-CEO Robert Gentz über die 49-Jährige.

Die gebürtige Schleswig-Holsteinerin ist promovierte Sprachwissenschaftlerin und Philosophin. Sie hat in Kiel studiert und an der Sorbonne in Paris moderne französische Literatur erforscht. Dennoch ging sie danach in die Wirtschaft. Zunächst arbeitete sie bei der Unternehmensberatung McKinsey, leitete dann mehrere Jahre die Personalabteilung einer Berliner Anwaltssozietät. Nun ist sie Personal-Vorständin eines über 14.000-köpfigen Unternehmens.

Für Zalando ist die Ernennung auch Teil eines sehr spät eingeleiteten Wandels in der Firmenkultur. 2019 hatte sich das Unternehmen verpflichtet, bis Ende 2023 auf allen Führungsebenen einen Frauenanteil von 40 bis 60 Prozent durchzusetzen. Auch sollte bis dahin eine Frau in den Vorstand berufen werden. Insofern hat Zalando gewissermaßen geliefert, versteht dies aber längst nicht mehr als Formalie. Das Unternehmen will weiter wachsen und braucht dafür gute Leute. Gentz sagt: „Astrid wird uns helfen, die richtigen Talente zu finden und zu halten.“