Berlin - Die Nachfrage nach schnellem Internet und Bezahlfernsehen wächst. Davon profitiert der Kabelnetzbetreiber Unitymedia, und zwar so stark, dass das Unternehmen jetzt den Ausbau seiner Netze im großen Stil plant.

Die Tochter der US-Konzerns Liberty steigerte den Umsatz im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr um sieben Prozent auf 538 Millionen Euro. Wachstumstreiber seien Paket-Angebote aus TV-Anschluss, Festnetztelefonie und Breitbandinternet inklusive Filme und Serien vom Internet-Abrufdienst Maxdome. Der Umsatz pro Kunde kletterte zuletzt ebenfalls um sieben Prozent auf 22,94 Euro. Unitymedia-Chef Lutz Schüler spricht davon, dass die Wachstumsstory weitergehe. 60 Prozent der Breitbandkunden buchen inzwischen Übertragungsgeschwindigkeiten von 120 Megabit und mehr. Das Motto „Hauptsache schnell“ scheint sich bei den Verbrauchern durchzusetzen – 120 Megabit werden derzeit für die Privatnutzern zur Verfügung stehenden Anwendungen kaum benötigt.

Rückgang beim Kundenzuwachs

Beim Kundenzuwachs geht es in dem Unternehmen, das in NRW, Hessen und Baden-Württemberg aktiv ist,  allerdings nicht mehr so zügig voran, wie in der Vergangenheit. Es kamen noch 92000 Abonnements hinzu, lange Zeit waren deutlich mehr als 100000 der Normalfall. Dennoch bleibt Unitymedia mit seinen insgesamt 7,1 Millionen Kunden einer der Akteure, der dem Platzhirsch Deutsche Telekom nach wie vor zusetzt, vor allem weil Unitymedia schnellere Internetzugänge anbieten kann.

Und die Nachfrage danach hat Schüler und sein Team dazu gebracht, erste Pilotprojekte für einen forcierten Netzausbau anzugehen. In Essen, Bochum, Wuppertal und Münster wird derzeit geprüft, wie groß der Bedarf in Stadtteilen ist, die noch kein Kabel haben. Seit den 1980er Jahren sind die Kabelnetze nur in kleinen Schritten gewachsen. Bei Unitymedia wurden  in der Vergangenheit 50000 bis 60000 neue Haushalte pro Jahr ans Netz angeschlossen. „Was jetzt geprüft wird, bewegt sich in einer anderen Größenordnung“, sagt Schüler und fügt hinzu, dass in Kürze über die konkreten Ausbaumaßnahmen informiert werde.

Unterm Strich hat das Unternehmen im zweiten Quartal mit  1,1 Millionen Euro Miesen rote Zahlen geschrieben. Im Vorjahr  waren es noch fast 30 Millionen gewesen – wobei beachtet werden muss, dass Verluste bewusst hingenommen werden, da Erträge wieder in das Unternehmen gesteckt werden.