Kartell-Vorwürfe: Autohersteller verteidigen Kooperationen untereinander als „üblich“

Vorstand und Aufsichtsrat des Volkswagen-Konzerns haben Kooperationen von Autobauern verteidigt. Nach einer Aufsichtsratssitzung am Mittwoch teilte das Unternehmen am Abend mit, zu Details und Spekulationen über „Kartellrechtsfragen“ nehme man keine Stellung.

Autokonzerne sehen kein Fehlverhalten ihrerseits

Zugleich heißt es in der Mitteilung, dass es bei neu verfügbaren Technologien nicht zu beanstanden sei, „die Machbarkeit und auch die Standardisierung von technischen Lösungen“ zu erörtern.  Von einzelnen Mitgliedern des Aufsichtsrats gab es zunächst keine Stellungnahmen.

Ein Sprecher der EU-Kommission  hatte am Wochenende erklärt, die Behörde prüfe den Verdacht illegaler Absprachen der drei deutschen Autokonzerne VW, Daimler und BMW.  Die Unternehmen sollen sich seit den 90er Jahren in mehr als 60 Arbeitsgruppen zu Technik, Lieferanten und Märkten abgestimmt haben. 

VW und Daimler haben offenbar Selbstanzeigen gegenüber den Kartellbehörden hinterlegt, was im Falle eines Bußgeldes die Höhe der Zahlungen mindern könnte. Es drohen Strafen in Milliardenhöhe. Auf der VW-Aufsichtsratssitzung informierte der Vorstand die Mitglieder des Gremiums. Dort ist neben Arbeitnehmervertretern auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) vertreten. Weil hatte gesagt, er habe von den Vorwürfen aus der Zeitung erfahren. Daraufhin wurde die außerordentliche Aufsichtsratssitzung einberufen.

Austausch zu technischen Fragen soll üblich sein

In der Mitteilung des Wolfsburger Konzerns heißt es, es sei weltweit üblich, dass Autohersteller sich zu technischen Fragen austauschten, um so „Innovationsgeschwindigkeit und -qualität“ zu steigern. Davon profitierten auch die Kunden, „weil innovative Lösungen schneller verfügbar und preiswerter sind als aufwendigere Einzelentwicklungen“.

Kooperationen seien von unterschiedlichen Herstellern in Bereichen vereinbart worden, „die nicht wettbewerbsdifferenzierende Bauteile von Fahrzeugen betreffen“. Als Beispiel wird die geplante Vereinheitlichung von Lade-Steckdosen für Elektrofahrzeuge erwähnt.

Der Spiegel hatte am Wochenende berichtet, bei den Absprachen sei es auch darum gegangen die Tanks für das Abgasreduktionsmittel Adblue  aus Kostengründen zu klein zu dimensionieren. Mit der Folge, dass die Abgasreinigung zeitweise abgeschaltet  werden muss.

Matthias Wissmann, Präsident der  Autoverbandes VDA,  hatte Anfang der Woche einen Kulturwandel der Autobauer hin zu mehr Selbstkritik und einer "Null-Fehler-Toleranz" in Sachen Rechtstreue gefordert. Die Äußerung hat unter Autobauern für viel Aufsehen gesorgt. "Ich war überrascht über diese Stellungnahme und möchte derzeit nicht mehr dazu sagen", so Dieter Zetsche, Daimler-Chef. Auch der Aufsichtsrat seines Unternehmens tagte am Mittwoch. Zu Ergebnissen der Sitzung war zunächst nichts zu erfahren.