Er ist ein Exot unter den Eisenbahnen in Deutschland: der Hamburg-Köln-Express. Mehrmals täglich verkehrt der HKX zwischen beiden Großstädten und ist sehr beliebt. Doch wer ein Ticket im Bahnhof Köln oder Hamburg kaufen will, bemüht sich vergebens. Das Problem: Der Zug gehört einem Wettbewerber der Deutschen Bahn. Und die verbietet Konkurrenten den Ticketverkauf in ihren Bahnhöfen.

Gut möglich, dass solch kundenunfreundliches Geschäftsgebaren künftig unterbunden wird. Das Bundeskartellamt hat nämlich den Fahrkartenverkauf der Deutschen Bahn ins Visier genommen. Es prüft eine mögliche Benachteiligung von Konkurrenten, teilte die Behörde am Donnerstag mit. Sie habe deshalb gegen den Staatskonzern ein Verfahren wegen des Verdachts auf Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung eingeleitet.

Beschwerde der Wettbewerber

„Funktionierender Wettbewerb beim Fahrkartenverkauf ist essenziell für den Wettbewerb auf der Schiene“, sagte der Präsident des Bundeskartellamtes, Andreas Mundt. Es gehe unter anderem um die Frage, warum Wettbewerber ihre Fahrkarten nicht an den Bahnhöfen in Deutschland verkaufen können.

Bei der Bahnchefin des HKX kommen solche Worte gut an. „Rund 40 bis 50 Prozent der Fahrkarten werden in Deutschland in Bahnhöfen gelöst“, sagte Kreienkamp der Berliner Zeitung. „Das ist ein von Kindheit an gelerntes Kaufverhalten. Doch diese Kundengruppe können wir nicht erreichen.“ Der HKX verkauft seine Tickets im Internet, über Reisebüros und mehr und mehr in Kooperation mit Nahverkehrsverbünden.

Auch viele andere Bahnwettbewerber machen das gezwungenermaßen so. Sie fühlen sich beim Ticketvertrieb diskriminiert. Deshalb haben mehrere von ihnen beim Kartellamt Beschwerde eingelegt. „Der Deutschen Bahn gehören die Bahnhöfe, damit hat sie praktisch das Vertriebsmonopol und nutzt es schamlos aus“, erklärte der Hauptgeschäftsführer des Privatbahnverbandes Mofair, Engelbert Recker. Das führe zu einem unübersichtlichen Durcheinander.

So stehen zwar – nach langem Kampf der Wettbewerber – deren Zugverbindungen inzwischen auf den Fahrplanaushängen in Bahnhöfen, Tickets aber gibt es dort so gut wie nicht zu kaufen. Im Nahverkehr, wo viele Bahn-Wettbewerber bereits Ausschreibungen gewonnen haben, vertreibt die Deutsche Bahn zwar mittlerweile zum Teil auch Tickets der Wettbewerber, verlangt dafür aber satte 15 Prozent Provision. Umgekehrt erhalten Privatbahnen, die Tickets der DB mit verkaufen, nur sieben Prozent. Auch dies will das Kartellamt nun prüfen.

Die Deutsche Bahn weist die Vorwürfe zurück. Wettbewerber könnten schon heute Flächen in Bahnhöfen für eigene Zwecke anmieten, sagte Vorstand Ulrich Homburg. An Bahnhöfen etwa stelle die Deutsche Bahn Konkurrenten Flächen für deren Fahrkartenautomaten sogar kostenfrei zur Verfügung. Allerdings entspreche die Forderung, Fahrkarten konkurrierender Eisenbahnunternehmen für den Fernverkehr in Bahn-Reisezentren mitzuverkaufen, nicht dem Gedanken von freiem Wettbewerb.

Abenteuerlicher Fahrkartenkauf

„Man kann gar nicht von Wettbewerb sprechen, wenn die Bahn das Vertriebsmonopol hält“, kritisierte der Bahnexperte des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Holger Krawinkel. „Es muss dafür gesorgt werden, dass alle Kunden zu den Tickets aller Anbieter den gleichen Zugriff haben“, forderte er. Es sei Unfug, wenn etwa „jeder Bahnanbieter in Bahnhöfen seinen eigenen Ticketautomaten aufstellen muss. Ein Automat muss die Tickets aller Anbieter verkaufen“, so der Verbraucherschützer.

Vor allem in ländlichen Räumen sei es teilweise abenteuerlich für Kunden, Tickets für eine Privatbahn zu ergattern. Auch die Bahnexpertin des Verkehrsclubs Deutschland, Heidi Tischmann, hält eine Vertriebsreform für überfällig. „Das beste für den Kunden wäre, wenn eine neutrale Vertriebsorganisation die Fahrkarten für alle Bahnanbieter verkauft.“