Berlin - Der österreichische Immobilieninvestor René Benko übernimmt den Warenhauskonzern Karstadt komplett. Er erhält die 83 Filialen des Unternehmens, ohne einen Euro dafür zu zahlen. Der bisherige Eigner Nicolas Berggruen zieht sich zurück. Wir erläutern was es mit dem Deal auf sich hat und wie es mit Karstadt weitergehen könnte.

Was haben Benko und Berggruen vereinbart?

Die Vereinbarung sieht vor, dass Benkos Signa Holding den Geschäftsbetrieb der 83 Standard-Warenhäuser komplett übernimmt. Zudem zieht sich Berggruen auch aus der Karstadt Premium Group und bei Karstadt Sport zurück. Bislang hielt er an beiden Unternehmen einen Anteil von 24,9 Prozent. Zur Premium Group gehören die Luxuswarenhäuser KaDeWe (Berlin), Alsterhaus (Hamburg) und Oberpollinger (München). Karstadt Sport betreibt 28 Kaufhäuser für Sportartikel. An beiden Unternehmen hatte Benko bereits Mitte September die Mehrheit von 75,1 Prozent der Anteile übernommen.

Warum bekommt Benko die Warenhäuser kostenlos?

Genau genommen bekommt er die Filialen nicht nur kostenlos. Er erhält auch Berggruens Anteile an den Luxus- und Sporthäusern dazu, ohne dafür zahlen zu müssen. Das ist gewissermaßen die Beigabe, die Berggruen leisten musste, damit der Österreicher die Warenhäuser überhaupt übernimmt.

Sind die Warenhäuser wirklich wertlos?

Es geht bei der jetzigen Transaktion immer nur um das Warenhaus-Geschäft, nicht um die Immobilien, in denen die Filialen untergebracht sind. Der operative Betrieb ist defizitär. Im vergangenen Geschäftsjahr, das im September 2013 endete,  kam ein Fehlbetrag von 127 Millionen Euro zusammen. Laut Aufsichtsratschef Stephan Fanderl wird Karstadt auch 2014 „noch nicht profitabel“ sein. Noch viel schwerwiegender ist, dass es in den vergangenen Jahren versäumt wurde, längst überfällige  Umbauarbeiten anzugehen. Der Renovierungsstau  in den Warenhäusern soll nach Experten-Schätzungen mindestens 500 Millionen Euro betragen. Zudem braucht Karstadt ein Konzept, wie schrumpfenden Umsätzen begegnet werden kann. Deshalb stand für Branchenkenner schon länger fest, dass Berggruen die Warenhäuser nur dann abgeben kann, wenn er noch etwas draufpackt.         

Was ist mit den Immobilien der Warenhäuser?

Der Signa-Holding gehören nach eigenen Angaben 20 Warenhäuser in „besten Innenstadtlagen“, die langfristig an Karstadt vermietet sind. Auf der Internetseite des Unternehmens werden die drei Luxuswarenhäuser, Sportkaufhäuser in Hamburg und München und Standard-Warenhäuser in Nürnberg, Stuttgart, Freiburg und am Berliner Ku’damm aufgeführt. Der größte Teil der übrigen Immobilien dürfte nach wie vor der Firma Highstreet Holding gehören, die von der Investmentbank Goldman-Sachs und der Deutschen Bank kontrolliert wird.

Wie sehen Benkos Pläne aus?

Bislang hat er sich nicht dazu geäußert. Die Luxus- und die Sportfilialen gelten als lukrativ. Diese wird er mutmaßlich erst einmal weiter betreiben. Über die Zukunft der  83 klassischen Warenhäuser wird Benko in der in der nächsten Woche mit dem Aufsichtsrat diskutieren. Für Donnerstag ist eine Sitzung geplant. Dann wollen die beiden Top-Manager von Karstadt, Miguel Müllenbach und  Kai-Uwe Weitz, ein neues Konzept vorlegen. Müllenbach hat bereits harte Einsparungen angekündigt. Fanderl hat die Existenz von mehr als 20 Standorten zur Disposition gestellt.

Wird es also Filialschließungen geben?

Das ist nach derzeitigem Stand sehr wahrscheinlich. Experten halten es für möglich, dass die Führungsriege zwei bis drei Dutzend Standorte schließen will. Es dürfte sich dabei vor allem um Warenhäuser in kleineren Städten handeln. Das könnte in Benkos Konzept passen. Denn sein Portfolio an Warenhaus-Immobilien hat seinen Schwerpunkt in größeren Städten.

Wie reagieren die Arbeitnehmervertreter?

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat am Freitagmorgen gefordert, dass die Beschäftigten in die Erarbeitung eines „tragfähigen und nachhaltigen Zukunftskonzepts“ eingebunden werden. Arno Peukes hat sich kürzlich in einem Interview mit dieser Zeitung dafür ausgesprochen, dass für die einzelnen Standorte regionalisierte Sortimente entwickelt werden, die auf die Konkurrenzsituation vor Ort Rücksicht nehmen.  Zudem werden Standort- und Beschäftigungssicherung gefordert.