Köln/Essen - Bei der kriselnden Kaufhauskette Kaufhof werden im Zuge der Fusion mit Karstadt rund 2600 Stellen abgebaut werden. Das kündigte Karstadt am Freitag in Essen an. In seinem derzeitigen Zustand ist Kaufhof nach Aussagen des Konzernchefs Stephan Fanderl „langfristig nicht überlebensfähig“. Rund 1000 Vollzeitstellen sollen in Führung und Verwaltung wegfallen, weitere 1600 Vollzeitstellen in den Filialen. Schließungen soll es vorerst nicht geben.
Die Zentrale der fusionierten Kaufhausketten wird in Essen ihren Sitz haben, wo sich die Karstadt-Zentrale seit den 1960er Jahren befindet. Köln als traditioneller Standort der Kaufhof-Führung wird zu einer Art Junior-Sitz. Dort soll ein Kompetenz-Center für Digitalisierung und eCommerce aufgebaut werden. Auch das Niedrigpreis-Geschäft behält seinen Sitz an der Leonhard-Tietz-Straße. Zudem sollen das Gastronomie- (Le Buffet und Dinea) und Lebensmittelgeschäft (Karstadt Feinkost und Galeria Gourmet) am Standort Köln (Porz) zusammengefasst werden, und auch die Lohnbuchhaltung soll als Teil eines neuen gemeinsamen Personalbereiches am Standort Köln erhalten bleiben. Wesentliche Führungs- und Verwaltungsfunktionen von Kaufhof werden aber in die Zentrale von Karstadt nach Essen verlagert.

„Wirtschaftliche Gesundung“

Dieser Schritt führe zu einer Einsparung in Millionenhöhe, die am Standort Köln nicht realisierbar wäre, und erfolge nach einstimmigem Beschluss der Eigner, teilten diese mit. Nicht notwendige Verwaltungs-Tätigkeiten sollen wegfallen und Doppelfunktionen sowie „unnötige Hierarchieebenen“ abgebaut werden.

In Köln und Essen wurden am Freitag die Mitarbeiter von Unternehmenschef Fanderl über die Pläne informiert. Unklar ist noch, wie viele Menschen von den Stellenstreichungen betroffen sind, da bei beiden Warenhäusern viele Mitarbeiter in Teilzeit beschäftigt werden. Der Abbau der 2600 Vollzeitstellen könnte bis zu 5000 der 32000 deutschen Beschäftigten treffen. Außerdem kündigte das fusionierte Unternehmen an, aus dem Flächentarifvertrag aussteigen zu wollen, was für die verbleibenden Mitarbeiter mit harten Lohneinbußen verbunden sein dürfte.
Fanderl sagte zu den Sanierungsplänen, die „wirtschaftliche Gesundung“ von Karstadt zeige, „dass perspektivisch das Warenhausgeschäft in Deutschland insgesamt wieder erfolgreich und profitabel betrieben werden kann“. Die bei Karstadt laufende Strategie des vernetzten Marktplatzes der Zukunft funktioniere. „Sie kann jedoch nur auf Galeria Kaufhof ausgerollt werden, wenn dieses Unternehmen wieder auf einer stabilen Grundlage steht“, sagte der Manager weiter.

Enttäuschung in Köln

In Köln, wo in den vergangenen Wochen stark für den Sitz der Konzernzentrale geworben worden war, wurden die Pläne mit Enttäuschung aufgenommen. Oberbürgermeisterin Henriette Reker erklärte: „Wir hätten uns eine andere Entscheidung gewünscht, die der herausragenden Bedeutung Kölns als Handelsmetropole mit exzellenten Standortbedingungen gerecht wird.“ Die am Freitag verkündete Aufteilung sei für die Stadt „schmerzhaft“. Der Präsident der Kölner Industrie- und Handelskammer, Werner Görg, hatte nach eigenen Worten „persönliche intensive Gespräche“ mit Eigner René Benko geführt. Diese hätten „bedauerlicherweise zu keinem für Köln befriedigenden Ergebnis geführt“, so Görg im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.
Verdi vermisst Konzept

Verdi-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger rügte, dass die Mitarbeiter nicht eingebunden gewesen seien. „Das ist ein schlechter Start für die neue Warenhausholding: Ein Sanierungsplan ohne Einbeziehung des Betriebsrates und die Ankündigung des Ausstiegs aus der Tarifbindung – das lehnen wir ab und werden um jeden Arbeitsplatz kämpfen“, kündigte Nutzenberger an. Dass die Unternehmensleitung derart tiefe Einschnitte plane und Tausende Arbeitsplätze abbauen wolle, sei nicht hinnehmbar. „Wir lassen keine Sanierung zu, die ein Gesundstoßen des Konzerns allein auf dem Rücken der Beschäftigten vorsieht“, so die Gewerkschafterin. Ein tragfähiges Zukunftskonzept fehle völlig.

Handelsexperte Boris Hedde vom Institut für Handelsforschung (IFH) in Köln wertete die Sanierungspläne hingegen positiv. Das Zusammengehen von Karstadt und Kaufhof biete „gute Chancen“, sagte er dieser Zeitung. Dadurch gebe es die „Möglichkeit, gemeinsame Bereiche wie Einkauf besser zu nutzen“.