„Die herren machen das selber, daß in der arme man feyndt wird. Dye ursach des auffrurß wöllen sye nit wegthun, wie kann es die lenge gut werden?“ Das schreibt inmitten des Deutschen Bauernkriegs 1524 der Theologe und Reformator Thomas Müntzer. Die „Hochverursachten Schutzrede“ Müntzers ist Zeugnis jener gesellschaftlichen Konflikte, die an der Zeitenwende zwischen Mittelalter und Neuzeit in eine lange Reihe europäischer Aufstände münden und sich gegen die ökonomischen Privilegien der Kaufleute, des Adels und des Klerus formieren.

Die Renaissance beschreiben Wirtschaftshistoriker als ökonomische Konsolidierung zu einer – wie Jacques Le Goff formuliert – „geschlossenen Gesellschaft“ weniger Vermögender. Die Grundlagen dafür werden ab dem 11. Jahrhundert in der renaissance commercial  (Kommerzielle Revolution) gelegt: Das wachsende ökonomische Potenzial Handelstreibender wie etwa der Medici in Italien begründet deren Aufstieg im Sozialgefüge des späten Mittelalters zum Vermögenden-Geschlecht neben Adel und Klerus. Schaffen es hier die Kaufleute, sich ob ihres Reichtums von den Fesseln der Göttlichen Ordnung zu lösen, bleibt deren gesellschaftlicher Überbau – der Feudalismus – für den Großteil der Bevölkerung als Vasallen ihrer Lehnsherren bis zum Zeitalter der Aufklärung bestehen.

Lesen Sie doch weiter

Erhalten Sie unbegrenzt Zugang zu allen Online-Artikeln der Berliner Zeitung für nur 9,99 € im Monatsabo.

Jetzt abonnieren

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Oder das E-Paper? Hier geht’s zum Abo Shop.