Berlin - Im digitalen Raum scheint das Hohelied der Selbstverwirklichung noch zu funktionieren. Während die Pandemie in der analogen Realität Existenzen gekostet hat und immer noch kostet, entstehen viele neue im digitalen Gegenüber. Und so vermeldet die Plattform TikTok am Mittwoch, als erster europäischer Nutzer verbuche der Italiener Khaby Lame 100 Millionen Follower auf seinem User-Profil. Eine echte Tellerwäscher-Geschichte: Lame kam mit einem Jahr aus dem Senegal nach Italien. Inzwischen ist er 21 Jahre alt. Sein TikTok-Konto eröffnete er erst Anfang 2020. Seine Follower wuchsen während des ersten Lockdowns der Pandemie so exponentiell wie die Infektionszahlen.

Zum Vergleich: An der Spitze dieser Rechnung steht die Amerikanerin Charli D’Amelio mit rund 120 Millionen Followern auf TikTok. Während sie sich mit kurzen Videos in die Herzen ihrer Follower tanzte, ist Khaby Lame vor allem dafür bekannt, die Absurditäten des Webs zu karikieren.

Das mag lustig klingen, ist im Zweifel aber eine ernsthafte ökonomische Kalkulation. Im Influencer-Business sind Follower-Zahlen bares Geld wert. Um Influencer ist in den vergangenen zehn Jahren eine richtige Industrie entstanden, die andere wie die konventionelle Werbung in Frauenmagazinen sukzessive ersetzt. Davon profitieren Influencer, vielmehr noch aber jene digitalen Plattformen, auf denen sie unterwegs sind. Letztere streichen dabei nicht nur Profite, sondern auch Macht ein: über unsere Aufmerksamkeit. Auf TikTok dürfte das vor allem für die Jugend gelten. Auch dafür stehen die 100 Millionen Follower von Khaby Lame.