Zahlreiche Grabsteine auf deutschen Friedhöfen stammen aus Kinderarbeit in Indien. Für die oft nichts ahnenden Kunden sind diese Grabsteine unschlagbar günstig. Doch den Preis dafür zahlen andere: Kinder, die in indischen Steinbrüchen schuften, sich dabei bereits in frühen Jahren Staublungen, chronische Augenentzündungen und Haltungsschäden einhandeln. Vor allem aber bekommen sie nie eine Schule von innen zu sehen und haben keine Chance auf eine Grundbildung.

Schuften statt pauken, das ist nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) weltweit für mehr als 215 Millionen Kinder bitterer Alltag. Sie schleifen Diamanten, schleppen Kakaofrüchte, knüpfen Teppiche oder behauen in sengender Sonne Steine. 115 Millionen von ihnen gehen laut ILO sogar einer Arbeit nach, die als gefährlich und ausbeuterisch eingestuft wird.

Was die Jungen und Mädchen beispielsweise in den Steinbrüchen des indischen Bundesstaates Rajasthan mit Meißel und Hammer bearbeiten, landet nicht nur auf deutschen Friedhöfen, sondern auch als Pflaster in Fußgängerzonen und Gärten. Branchenkenner gehen davon aus, dass mittlerweile 50 bis 60 Prozent der Gedenksteine auf deutschen Kirchhöfen aus Indien kommen.

Das Statistische Bundesamt weist jedenfalls einen wachsenden Trend aus. Allein in der Rubrik „Polierter, verzierter Granit“ stiegen die Einfuhren aus Indien von rund 41.000 im Jahr 2006 auf 55.000 Tonnen in 2010.

Künftig dürfe es in Deutschland keine Grabsteine mehr geben, die aus Kinderhand stammen, fordert Ulrich Thöne, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), anlässlich des heutigen Welttages gegen Kinderarbeit. „Kinder und Jugendliche gehören in Bildungseinrichtungen und brauchen eine berufliche Perspektive. Wer ihnen Bildung und Ausbildung verweigert, nimmt ihnen die Möglichkeit, den Armutskreislauf zu durchbrechen, und raubt ihnen Lebenschancen“, sagte Thöne der Frankfurter Rundschau.