Zu teuer: Ist Klimaschutz bald nur noch ein Traum?

Der Klimagipfel in Ägypten wird von Bemühungen überschattet, fossile Brennstoffe wieder attraktiv für Investoren zu machen.

Ägypten, 7. November 2022: Muhammad bin Zayid Al Nahyan (r.), Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate, Abdel Fattah al-Sisi (2. v. r), Präsident von Ägypten, und António Guterres (Mitte), Generalsekretär der Vereinten Nationen, nehmen an der Eröffnung des Klimagipfels teil.
Ägypten, 7. November 2022: Muhammad bin Zayid Al Nahyan (r.), Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate, Abdel Fattah al-Sisi (2. v. r), Präsident von Ägypten, und António Guterres (Mitte), Generalsekretär der Vereinten Nationen, nehmen an der Eröffnung des Klimagipfels teil.dpa

Während auf der Weltklimakonferenz COP27 in Ägypten die Staatengemeinschaft versucht, die Klimakrise in den Griff zu bekommen, zeigt sich in der Welt der Finanzen ein gegenläufiger Trend: Mark Carney, der Co-Vorsitzende einer Gruppe von Finanzunternehmen, die sich verpflichtet haben, den Klimawandel zu bekämpfen, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, dass ihre Mitglieder aus kartellrechtlichen Bedenken aus einer Initiative der Vereinten Nationen aussteigen dürfen, die den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen vorschreibt.

Die Glasgow Financial Alliance for Net Zero (GFANZ), zu deren Mitgliedern mehr als 550 Finanzunternehmen mit einem Gesamtvermögen von 150 Billionen US-Dollar gehören, gab ausgerechnet vor der Klimakonferenz bekannt, dass sie nicht länger die Mitwirkung an der UN-Initiative „Race to Zero“ fordere, die von den Unterzeichnern verlangt, dass sie aus fossilen Brennstoffen aussteigen. Der vormalige Goldman-Sachs-Banker hatte als Chef der Bank of England als erster Zentralbanker alle Investoren aufgefordert, aus Investments in Öl, Kohle oder Gas auszusteigen, weil diese Assets wegen der Klima-Regelungen ihren Wert verlieren würden („stranded assets“). Die nun vollzogene Kehrtwende dürfte erhebliche Auswirkungen auf die Finanzierung von Energieunternehmen haben, weil nun auch wieder Investments in Produzenten fossiler Brennstoffe ohne Einschränkungen möglich sind. Wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine und die nachfolgenden Verwerfungen an den Energiemärkten sind fossile Brennstoffe aufgrund der deutlich gestiegenen Preise interessante Investments im Hinblick auf die Renditen. Das gilt unter anderem für die US-Frackingindustrie, die sich wegen der verstärkten Nachfrage nach Flüssiggas (LNG) aus Europa aus ihrer zwischenzeitlichen Krise bewegen könnte.

Carney äußerte seine „kartellrechtlichen Bedenken“, die im Fall einer Bevorzugung von erneuerbaren Energien als Investments zu Klagen gegen die Investoren führen könnten, nachdem fünf republikanische Senatoren einen Brief an alle global tätigen US-Anwaltskanzleien geschickt hatten. Tom Cotton, Mike Lee, Chuck Grassley, Marsha Blackburn und Marco Rubio warnten in dem Brief, dass die US-Regierung Verfahren gegen Anwälte einleiten werde, die ihren Klienten die Anwendung der von den UN und der EU forcierten Nachhaltigkeitskriterien (ESG) empfehlen. Durch die erneuerbaren Energien seien die Energiepreise gestiegen. In den USA werden Kartellverfahren eröffnet, wenn den Konsumenten höhere Preise abverlangt werden als nötig. Die US-Senatoren sprechen von einem „abgesprochenen Vorhaben, die Versorgung mit Kohle, Öl und Gas einzuschränken, das die Energiekosten weltweit in die Höhe treibt und Amerikas Gegner im Ausland stärkt“. Sie sagen, der Kongress werde wettbewerbswidrige Maßnahmen im Namen der ESG an die Bundeskartellbehörden weiterleiten, und teilten den Unternehmen mit, dass sie verpflichtet seien, Kunden über solche regulatorischen Risiken zu informieren.

Parallel dazu arbeitet die US-Regierung offenbar an einer globalen Konsolidierung des Energiemarktes: Der Klimabotschafter von US-Präsident Joe Biden, John Kerry, versucht, Unterstützung von anderen Regierungen, Unternehmen und Klimaexperten zu gewinnen, um einen neuen Rahmen für den Verkauf von Emissionszertifikaten an Unternehmen zu entwickeln. Kerry will die größten Unternehmen der Welt dafür gewinnen, um Entwicklungsländer zum Ausstieg aus fossilen Brennstoffen zu bewegen. Die Länder sollen dafür bezahlt werden, aus Öl, Kohle und Gas auszusteigen. Der Erlös könnte dann neue Projekte für saubere Energie finanzieren, so der Plan Kerrys laut der Financial Times.

Die Idee: Regionale Regierungen oder staatliche Stellen erhalten CO₂-Gutschriften, wenn sie die Emissionen ihres Energiesektors reduzieren und die Infrastruktur für fossile Brennstoffe wie Kohlekraftwerke abgebaut und erneuerbare Energien ausgebaut werden.

Beim Klimagipfel in Scharm el Scheich hat UN-Generalsekretär António Guterres unterdessen in düsteren Worten vor den katastrophalen Folgen der Erderhitzung gewarnt. „Wir sind auf dem Highway zur Klimahölle – mit dem Fuß auf dem Gaspedal. Wir kämpfen den Kampf unseres Lebens – und sind dabei, zu verlieren“, sagte Guterres mit Blick auf drohende Dürren, Überschwemmungen, Unwetter und den steigenden Meeresspiegel.