Berlin - Es ist ein zentraler Knackpunkt der Klima-Verhandlungen in Paris: Wie kann die Staatengemeinschaft sicherstellen, dass auch die ärmsten Länder des Planeten ihre Volkswirtschaften klimafreundlich umbauen, trotzdem die Armut bekämpfen und sich überdies noch gegen zunehmende Fluten, Stürme oder Dürren schützen können? Ohne überzeugende Zusagen zur Klimafinanzierung wird es in den kommenden zwei Wochen kein Abkommen beim Gipfel in Paris geben. Bereits jetzt gibt es erste Anstrengungen, aber die reichen bei weitem noch nicht aus. Ein Überblick.

Was ist überhaupt das Problem?

Dem Klimawandel kann sich kein Land der Erde entziehen. Allerdings tragen die reichen Staaten eine besondere Verantwortung: Besonders die Industrieländer des Nordens pumpen seit fast 200 Jahren gigantische Mengen des Treibhausgases Kohlendioxid in die Luft und sind damit die Hauptverursacher des Klimawandels.

Sie haben aber das Geld und die technische Expertise, um ihre Länder besser gegen die Klimafolgen zu schützen. Sie können beispielsweise Unwetter-Frühwarnsysteme aufbauen, Deiche erhöhen oder ihre Infrastruktur so ertüchtigen, dass sie Überschwemmungen oder Stürmen standhält. Gleichzeitig arbeiten Wissenschaftler und Unternehmen in den Industrieländern mit Hochdruck an der Weiterentwicklung klimafreundlicher Technologien.

Die ärmsten Länder, etwa in Afrika oder Asien, haben all diese Möglichkeit in der Regel nicht. Sie werden besonders unter dem Klimawandel leiden, obwohl sie kaum für dessen Entstehung verantwortlich sind.

Sind die reichen Länder solidarisch mit den armen?

Im Prinzip ja. Bereits bei der Welt-Klimakonferenz in Kopenhagen 2009 sagten die Industrienationen zu, ab 2020 jedes Jahr 100 Milliarden für die Klimafinanzierung zur Verfügung zu stellen. Mit dem Geld sollen die armen Staaten darin unterstützt werden, ihre Wirtschaftssysteme umwelt- und klimafreundlich zu entwickeln und sich gegen die Folgen des Klimawandels zu wappnen. Das Geld soll aus öffentlichen und privaten Quellen kommen.

Das Problem: Bisher ist noch nicht so recht klar, ob tatsächlich das zugesagte Geld fließt. Eine Studie der Industrieländer-Organisation OECD und der Climate Policy Initaitive kam kürzlich zu dem Schluss, dass 2014 rund 60 Prozent der zugesagten Mittel mobilisiert werden konnten – also etwas mehr als die Hälfte des ab 2020 geplanten Betrags.

Sind sich die Industrienationen dieses Problems bewusst?

Grundsätzlich ja. Bundeskanzlerin Angela Merkel etwa sprach in ihrer Rede zur Eröffnung der Pariser Konferenz am Montag die Klimafinanzierung ausdrücklich an. Die Industrieländer müssten eine führende Rolle darin spielen, der Welt grüne Technologien zur Verfügung zu stellen, sagte sie. „Zudem müssen wir den ärmsten und verwundbarsten Ländern Möglichkeiten für eine nachhaltige Entwicklung dadurch eröffnen, dass wir sie finanziell unterstützen“.

Die Unterhändler in Paris wissen: Ohne glaubwürdige Absprachen zur Unterstützung der Entwicklungsländer wird es kein neues, weltweit gültiges Klimaabkommen geben. Denn wenn die armen Länder allein gelassen werden, dürften sie kaum bereit sein, eigene Anstrengungen zur Reduktion ihres Treibhausgas-Ausstoßes zu unternehmen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie das Geld von Industriestaaten zu den Entwicklungsländern transferiert werden soll und welchen Beitrag Deutschland für die Klimafinanzierung leistet.