Es war nur ein arg technokratisch anmutender Tagesordnungspunkt für die Hauptversammlung der Firma Rhön-Klinikum. Doch er hat das Zeug dazu, das deutsche Gesundheitswesen kräftig durcheinander zu wirbeln. Es ging um die Abschaffung der „90-Prozent-Klausel“ in der Satzung des Krankenhausbetreibers. Überraschend gab es dafür am Mittwochabend eine Mehrheit von 90,54 Prozent. Künftig gilt beim Rhön-Klinikum – wie hierzulande üblich – eine Sperrminorität von 75 Prozent. Eine Fusion mit dem Fresenius-Konzern könnte nun folgen.

Firmengründer Eugen Münch sorgte einst dafür, dass bei wichtigen unternehmerischen Entscheidungen 90 Prozent der Anteilseigner zustimmen mussten. Das sollte die Firma aus Franken vor feindlichen Übernahmen schützen. Längst hat Münch, der heute Aufsichtsratschef ist, diese Tat bereut. Er will nämlich, dass seine Firma Teil eines großen Gesundheitskonzerns wird.

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Da war auch schon alles eingefädelt: Fresenius ging 2012 eine Übernahme für 3,1 Milliarden Euro an, um das Rhön-Klinikum mit dem eigenen Krankenhausbetreiber Helios zu verschmelzen. Doch nur rund 84 Prozent der Anteilseigner waren bereit, ihre Aktien anzudienen. Der Klinik-Rivale Asklepios und der Medizintechnik-Konzern B. Braun Melsungen legten sich quer, indem sie bei Rhön einstiegen und sich zusammen genommen zehn Prozent der Aktien und der Stimmrechte sicherten.

Der Hintergrund: Neben kommunalen Krankenhäusern gibt es hierzulande nur die drei großen private n Klinikbetreiber Rhön, Helios und Asklepios. Branchenkenner sind sich einig, dass es bei den Hospitälern hierzulande Überkapazitäten gibt. „Die Krankenhäuser sind deshalb gezwungen, ihre Effizienz zu steigern“, sagt Theresa Dick, Analystin vom Bankhaus Lampe.

Das heißt zuallererst Größenvorteile nutzen, um Kosten zu senken. Dies macht den Einstieg von Asklepios bei Rhön verständlich. Es ging nur darum zu verhindern, dass durch die Fusion mit Helios ein übermächtiger Konkurrent entsteht. Doch in den vergangenen Wochen kam nach Informationen von Insidern einiges in Bewegung.

Die Gegner lassen nicht locker

Hinter den Kulissen wurde viel verhandelt, vor allem mit den Managern von B. Braun. Die Melsunger waren eingestiegen, um sich Rhön-Klinikum als Kunde zu sichern. Doch Münch hat den Leuten von B. Braun gedroht, bei ihnen gar nichts mehr zu bestellen, wenn sie ihre Blockadehaltung nicht aufgeben. Gleichwohl lassen Münchs Gegner nicht locker und kündigten am Donnerstag an, das Abstimmungsergebnis anfechten zu wollen.

Sollte die Reduzierung der Sperrminorität auf 75 Prozent trotz der Anfechtung Bestand haben, ist nach Dicks Ansicht nun „gut vorstellbar, dass Fresenius einen erneuten Vorstoß zur Übernahme des Rhön-Klinikums unternimmt.“ Zu welchem Zeitpunkt und zu welchem Preis dies geschehe, lasse sich derzeit aber noch nicht sagen. Klar ist aber, was Münch und Rhön-Vorstandschef Martin Siebert letztlich anstreben. Ein großes Krankenhaus-Netzwerk, das es möglich macht, in Kooperation mit den Krankenkassen eine Zusatzversicherung für gesetzlich Versicherte zur Behandlung in diesen Häusern anzubieten.