Der Börsengang des Berliner Kochbox-Lieferanten Hello Fresh ist offenbar geplatzt. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge wird der Börsengang zumindest 2015 nicht mehr stattfinden. Eine Firmensprecherin wollte den Bericht auf Anfrage der Berliner Zeitung zwar nicht bestätigen, sagte aber, dass „wir die Marktlage beobachten und keine Eile für den Börsengang sehen“. Insidern zufolge sei das angeblich schwierige Börsenumfeld der Grund. Das wäre eine merkwürdige Begründung. Denn die Aktienmärkte boomen.

Experten vermuten, dass der wahre Grund für den Rückzieher ein anderer ist: Hello Fresh wird nämlich mit einer astronomisch hohen Summe von 2,6 Milliarden Euro bewertet. Diese Bewertung kam auf zweifelhafte Weise zustande: Ein Investor hatte kürzlich Anteile an dem Start-up übernommen. Daraufhin wurde der Kaufpreis für diese Anteile einfach auf alle existierenden Anteile hochgerechnet und so der Milliardenwert ermittelt. Dabei schreibt Hello Fresh tiefrote Zahlen: In den ersten neun Monaten entstand ein Verlust von 58 Millionen Euro. Die meisten Investoren hatten deshalb wohl bereits abgewunken.

Kochen ohne nachzudenken

Hello Fresh richtet sich an junge Gutverdiener, die zwar gern selbst kochen, aber keine Zeit mit der Rezeptsuche oder mit dem Einkaufen im Supermarkt verbringen wollen.

Mehrheitseigentümer von Hello Fresh ist die Start-up-Schmiede Rocket Internet, die wiederum zum Imperium der schillernden Samwer-Brüder gehört. Für Rocket ist der geplatzte Börsengang von Hello Fresh eine schwere Schlappe. Denn der Kochbox-Lieferant zählt zu den wenigen Perlen im Portfolio von Rocket. Die Rocket-Internet-Aktie verlor am Montag denn auch gut vier Prozent. Im Vergleich zum Ausgabepreis vor gut einem Jahr hat die Aktie schon fast 50 Prozent verloren.

Rocket Internet verfolgt das Geschäftsmodell, vorwiegend in den USA aktive junge Unternehmen zu kopieren, dafür eigene Firmen zu gründen und diese dann mit Gewinn zu verkaufen. Bei dem Online-Modeversand Zalando hat dies funktioniert. Der Zalando-Börsengang im vergangenen Jahr brachte den drei Samwer-Brüdern einen dreistelligen Millionenbetrag ein.