Es müssen nicht immer Spaghetti mit Tomatensoße sein oder Kartoffeln mit Kräuterquark. Wer genug hat von seinen Standard-Gerichten, kann per Kochbox mehr Abwechslung auf seinen Speiseplan zaubern. Wie wäre es mit Pilzrisotto mit Bacon und karamellisierten Birnenspalten? Maispoulardenbrust in Granatapfel-Rotweinsoße auf Kartoffelstampf? Oder skandinavischer Kartoffelsuppe mit Dill und Lachs?

Diese Gerichte stehen auf dem aktuellen Speiseplan von Hello fresh, Kochhaus und Marley Spoon. Das sind drei Anbieter, die inzwischen praktisch deutschlandweit – sieht man vielleicht von Inseln und Halligen ab – ihren Kunden Kochboxen ins Haus liefern. Die Kartons oder Papiertüten mit Rezepten und allen für deren Zubereitung portionierten Zutaten werden hierzulande – acht Jahre nach dem Start des ersten Anbieters – von diversen Firmen offeriert. Der Kunde vereinbart dabei regelmäßige, meist wöchentliche Lieferungen. Das klingt nach Abofalle, scheint es aber nicht zu sein: Zumindest sind Klagen darüber bei der Verbraucherzentrale nicht bekannt.

„Die Kochboxen sind ein guter Service, der aber seinen Preis hat“, sagt Jessica Fischer von der Verbraucherzentrale Berlin. „Das Gesamtpaket kostet mehr, als die einzelnen Zutaten im Supermarkt zu kaufen.“ Doch es sei bequem, die Zutaten passgenau ins Haus geliefert zu bekommen. Das Grübeln über die Frage „Was koche ich heute?“ entfalle, der Gang zum Supermarkt ebenso, die Rezeptvielfalt bringe Abwechslung. Sarah Hermges vom Bundeszentrum für Ernährung fällt noch ein Vorteil ein: „Durch die exakt für das Rezept bemessene Portionierung bremsen die Kochboxen die Lebensmittelverschwendung.“ Zugleich entstünde aber mehr Verpackungsmüll als beim normalen Einkauf.

Doch für wen eignen sich die Rezept-Zutaten-Pakete? Worauf ist bei der Entscheidung für einen Anbieter zu achten? Wir haben uns von Kochhaus, das zu den ersten Anbietern hierzulande gehörte, dem Marktführer Hello Fresh, der Lidl-Tochter Kochzauber und von Marley Spoon beliefern lassen.

Für wen sind Kochboxen geeignet?

Singles haben Pech: Gerichte für eine Person sind nirgendwo im Angebot, Alleinstehende können sich also einen Gast einladen oder die zweite Portion einfrieren. Die kleinste Box ist für zwei Personen konzipiert und enthält bei Marley Spoon und Kochhaus zwei verschiedene Gerichte, bei Hello fresh und Kochzauber drei. Die größten Boxen beinhalten fünf Gerichte für vier Personen. Alle Anbieter offerieren auch Boxen für Vegetarier – zum gleichen Preis.

Was kostet das?

Um die 40 Euro kostet bei den genannten Anbietern eine Box mit Zutaten für drei Gerichte für zwei Personen, am günstigsten ist die von Kochzauber mit 37,99 Euro, am teuersten die von Hello fresh mit 42,99 Euro. Bei Kochhaus kommt mitunter ein Aufschlag zum Standardpreis dazu, wenn man sich für ein Menü mit teureren Zutaten – etwa Rinderfilet – entscheidet.

Wie viele Gerichte stehen zur Auswahl?

Bei Kochhaus sind es 18 Rezepte, die Auswahl kann man hier noch am Tag der Lieferung anpassen. Hello fresh offeriert acht Gerichte, Stichtag für Änderungen ist der Mittwoch der Woche vor der Lieferung. Bei Kochzauber sind die Gerichte festgelegt.

Wie klappt die Lieferung?

Die Kochhaus-Box brachte ein Kurier, die anderen kamen mit DHL oder UPS. Alle Kartons trafen im angegebenen Zeitraum ein, der je nach Anbieter unterschiedlich groß ist: Kochhaus und Kochzauber grenzten die Lieferzeit auf zwei Abendstunden ein, das Marley-Spoon-Paket wurde für die Zeit zwischen 8 und 12 Uhr avisiert. Glücklich, wer einen kulanten Arbeitgeber hat und sich das Paket ins Büro liefern lassen kann. „Die Wartezeit auf die Lieferung schränkt die Flexibilität ein“, merkt Verbraucherschützerin Jessica Fischer an.

Alle Kochbox-Lieferanten benötigen etwas Vorlauf. Wer am Dienstag bucht, den beliefert Kochzauber am Freitag, die Abo-Tüte aus dem Kochhaus träfen am Montag ein. Kochhaus bietet aber gegen Aufpreis eine Express-Lieferung einzelner Gerichte am gleichen Tag an. Durch eine Kooperation mit Amazon fresh will Marley Spoon künftig in Berlin, Potsdam, Hamburg und München Kunden, die bis 12 Uhr bestellen, noch am gleichen Tag beliefern.

Bleiben die Zutaten frisch?

Kühlpads mit gefrorenem Wasser oder Gel auf Wasserbasis halten Fleisch, Fisch oder Milchprodukte in den Kartons frisch. So überstehen die Zutaten gegebenenfalls die Stunden bis zum Feierabend oder bis zur Abholung beim Nachbarn. Je mehr Gerichte das Paket beinhaltet, desto weniger Spielraum bleibt beim Verarbeiten. Die Hersteller geben Tipps, was zuerst zuzubereiten ist.

Wie klappt die Zubereitung?

Bei allen vier Anbietern war die Anleitung leicht verständlich. „Die Schritt-für-Schritt-Beschreibungen eignen sich auch für Menschen, die noch nicht viele Kocherfahrungen haben“, urteilt auch Verbraucherschützerin Jessica Fischer. In dem ein oder anderen Fall dauerte die Zubereitung aber etwas länger als angegeben.

Was muss in der Küche vorhanden sein?

Topf und Pfanne allein genügen nicht, mitunter werden auch Pürierstab, Küchenreibe und Sparschäler vorausgesetzt. Salz, Pfeffer, Mehl und Öl sollte man im Haus haben, der Rest – bis hin zum einzelnen Suppenwürfel – wird mitgeliefert.

Ist es schwierig, der Abofalle zu entkommen?

Um die regelmäßige Belieferung zu stoppen, gelten je nach Anbieter unterschiedliche Fristen – bei Hello fresh etwa muss die Kündigung bis Mittwoch (Mitternacht) eingegangen sein, um die Lieferung für die nächste Woche zu stoppen. Bei Kochhaus beträgt die Kündigungsfrist nur einen Tag. Unterschiedlich aufwendig ist die Abbestellung, manchmal – etwa bei Marley Spoon – ist der entsprechende Button leicht zu finden. Bei Kochzauber dagegen gibt es den nicht. Um zu kündigen, muss eine Mail geschrieben werden. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, nach der ersten Bestellung erst mal zu pausieren, um in Ruhe zu überlegen, ob das Abo fortgesetzt werden soll. Das komme günstiger als die Probierboxen.