Anfang des Jahres trat Meike Schlecker vor die Presse. „Es ist nichts mehr da“, sagte die Tochter des Schlecker-Gründers, die Augen glasig und gehetzt. Sie meinte damit das Vermögen des Vaters, angeblich war nach der Pleite des Unternehmens auch privat nichts mehr übrig.  Vater Anton habe es „stets abgelehnt, jederzeit die Rechtsform zu ändern und in beschränkte Haftung zu gehen“, ein verantwortlicher Unternehmer.

So rührend die Worte, so anders die Realität: Während die Beschäftigten in wenigen Tagen vor dem Arbeitsamt stehen, bleiben der Familie Schlecker laut Handelsblatt 35 bis 40 Millionen Euro, der Großteil ist angeblich im Besitz der Kinder (wir berichteten). Mal abgesehen von der Villa, die offiziell seiner Frau gehört.

Für die Mitarbeiter hat Schlecker nichts mehr übrig

Es ist also doch noch etwas da – nur nicht für die entlassenen Mitarbeiter.

Vielleicht ist es naiv, den Schleckers anderes zuzutrauen. Trotzdem stößt ein Umstand besonders übel auf: Das übrig gebliebene Geld sollen die Kinder Schleckers ausgerechnet mit der Leiharbeitsagentur „Meniar“ erwirtschaftet haben, jener berüchtigten Firma, die gefeuerte Schlecker-Mitarbeiter zu schlechteren Konditionen wieder einstellte.

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Das zu erfahren, ist nicht nur für die Schlecker-Frauen ein symbolischer Schlag ins Gesicht. Es betrifft darüber hinaus uns alle, weil es zeigt, wie ungerecht unser Recht sein kann. Während der normalverdienende Bürger schnell bei Hartz IV landet, wenn er beispielsweise den Wohnungskredit nicht mehr zahlen kann, lässt der Reiche einfach eine neue Gesellschaft gründen. Es ist ein Schelmenstück wie aus einer Oper von Brecht.

Der Insolvenzverwalter regt sich auf

Kein Wunder, dass sich der Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz im Spiegel aufregt. Obwohl sie ein Vermögen habe, sei die Familie Schlecker „nicht bereit oder nicht in der Lage“, Schlecker mit sieben bis neun Millionen Euro weiter zu finanzieren. Wohl vor allem nicht bereit.

Wenn ein Fall wie der Niedergang von Schlecker diskutiert wird, bietet das immer auch die Chance für eine Änderung des Gewohnten.  Wir sollten uns darüber unterhalten, wie wir diese und künftige Schleckers zu ihrer Verantwortung zwingen. Und vielleicht überlegt es sich die Familie ja freiwillig anders: 40 Millionen Euro reichen immerhin für eine kleine Abfindung, im Tausch gibt's dafür ein gutes Gewissen. (mit afp/dapd)

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