Berlin - Mehrere Gutachten hatten der großen Koalition dringend empfohlen, Betriebsrenten attraktiver zu machen, unter anderem durch eine „Reduktion der Komplexität“. Herausgekommen ist allerdings das Gegenteil: Zu den fünf bereits existierenden Arten von Betriebsrenten hat die Koalition nun einen sechsten Weg hinzugefügt, der nicht weniger komplex ist. Zweifel sind erlaubt, ob ausgerechnet dieses Modell nun zum Kassenschlager wird.

Eine Frage hätte sich die Koalition stellen müssen: Brauchen wir überhaupt Betriebsrenten? Sicher, es macht Sinn, die gesetzliche Rentenversicherung durch eine kapitalgedeckte Absicherung zu ergänzen. Doch die Zeiten sind vorbei, wo ein Beschäftigter sein Leben lang bei einem Arbeitgeber gearbeitet hat. Häufige Jobwechsel – auch über Branchengrenzen hinaus – sind heute eher die Regel denn die Ausnahme. Eine Absicherung, die direkt am Arbeitsplatz anknüpft, ist daher überholt.

Die Riester-Rente hätte ein Ausweg sein können, doch auch sie hat sich aus vielerlei Gründen als Flopp erwiesen. Dabei gibt es längst moderne Alternativen: In Norwegen oder Schweden existieren zentrale Rentenfonds, die staatlich verwaltet werden. Damit kann das Geld breiter gestreut und damit sicherer und profitabler angelegt werden als mit unzähligen komplizierten Insellösungen. Mit seinen Zuschüssen kann der Staat zudem die Rendite weiter steigern. Ein Festhalten an Riester- und Betriebsrente ist der falsche Weg.