In letzter Sekunde haben die Euro-Länder beim zweiten Zypern-Wochenende hintereinander das totale Debakel abgewendet. Beim zweiten Anlauf machten sie einiges besser. Diesmal achten sie die Rechte der kleinen und mittleren Sparer. Dafür schließen sie die eine zyprische Großbank und lassen bei der anderen keinen Stein auf dem anderen.

Die Chaos-Tage von Nikosia, Brüssel und Moskau sind damit nicht vergessen. Für Zypern lässt sich angesichts der drakonischen Einschnitte von Rettung kaum sprechen. Für die Menschen brechen harte Zeiten an. Niemand kann mit Gewissheit sagen, was in den nächsten Tagen und Wochen passiert, wenn die Banken wieder offen sind. Den Absturz ihrer Wirtschaft haben in erster Linie die Politiker in Nikosia selbst zu verantworten, die ihrem Land ein untragbares Geschäftsmodell auf Kosten Europas verordneten.

Aber auch die Europäische Union trägt Schaden. In Erinnerung bleibt ein rüde auftretender deutscher Finanzminister, der mehr die Stimmung in Deutschland als das Wohl der Gemeinschaft im Blick hatte. Und allen Investoren und Sparern in- und außerhalb der Währungsunion haben die Chaos-Politiker eines klar gemacht: Wer sein Geld im Euro-Raum anlegt, geht zusätzlich zu wirtschaftlichen enorme politische Risiken ein. Dieser Vertrauensverlust wird nachwirken, in den Krisenländern und weit über Europa hinaus.