Die Entscheidung des EuGH, der Gen-Kartoffel Amflora die Zulassung zu entziehen, ist nur auf den ersten Blick ohne praktische Bedeutung. Zwar stampfte BASF 2012 die Kartoffel ein, denn sie war wirtschaftlich ein Flop. Tatsächlich aber hat der Spruch des Europäischen Gerichtshofs Relevanz für die Zukunft der Gentechnik in der EU. Denn das Urteil wirft ein Schlaglicht auf die chaotische und langwierige Zulassungspraxis.

Bei Amflora hatte etwa die EU-Kommission eine zweite Stellungnahme der Lebensmittelbehörde Efsa eingeholt, weil Zweifel an der Sicherheit aufgetaucht waren. Zwar stellte sich die Efsa erneut hinter Amflora, warf aber in der Stellungnahme völlig neue Fragen auf, die wiederum neue Zweifel an der Kartoffel nährten. Zu denen wurden die Mitgliedsstaaten im Verfahren aber nicht mehr befragt. Die Klage Ungarns war deshalb folgerichtig.

Nun droht eine Wiederholung dieses Debakels, und zwar bei der Genehmigung des umstrittenen Gen-Mais 1507. Auch der befindet sich bereits eine Dekade lang in der Warteschleife, doch ein EuGH-Urteil mahnt die Entscheidung an. Und nun geht alles hopplahopp, was neue Verfahrensfehler provoziert. Aus Zeitmangel soll die Abstimmung sogar schriftlich geführt werden, was Transparenz ausschließt.

Es bleibt Europa zu wünschen, ein für alle Mal der Gentechnik die rote Karten zu zeigen. Der Verbraucher will sie nicht. Wozu dann noch ewige Verfahren mit ungewissem Ausgang?