Kommentar zum Spritpreis: Das Benzin ist noch zu billig

Autofahren ist für uns in etwa so heilig wie Fußball im Fernsehen. Autofahren verstehen wir als Grundrecht der Mobilität. Auf der Autobahn zählt nichts mehr als die Freiheit der Geschwindigkeit. Darum meckern nun alle über den Benzinpreis so laut sie können.

Aber unser Verhalten ändern wir nicht. Obwohl jeder Besuch an der Tankstelle ins Geld geht, ist nicht zu beobachten, dass die Menschen weniger tanken gehen. Wir kaufen große, schwere Autos, die viel verbrauchen. Statt auf den Verbrauch zu achten, zählt, was unter der Haube ist. Als ordentliches Auto gilt, was schnell und wuchtig ist. Die vielen Stadtjeeps auf den Straßen illustrieren das eindrucksvoll.

Rassige Fahrweise

Mit unseren großen Karossen wollen wir dann auch richtig Gas geben. In der Stadt wird beim Anfahren das Gaspedal runtergedrückt, damit es auch ja jeder hört. Hauptsache es wird schön laut. Auf der Autobahn kann es ebenfalls nicht schnell genug gehen. Jeder empörte Aufschrei beim Reizwort Tempolimit beschreibt den Anspruch auf unendliche Geschwindigkeit – und einen unendlich hohen Spritverbrauch.

An der Entwicklung ist auch die weltweit bekannte deutsche Autoindustrie schuld. Zu den sparsamsten Autos zählt der Verkehrsclub zwar ein deutsches Fabrikat als Spitzenreiter. Das hat sogar einen Erdgasmotor. Aber auf den folgenden Plätzen sind nur asiatische Hersteller, allen voran Toyota. Dessen Hybridauto Prius ist seit Jahren der Maßstab für Elektrofahrzeuge, während die viel gerühmte deutsche Industrie den Trend verschlafen hat. Die stolzen Marken stehen für große Limousinen und rassige Sportwagen. Auch Volkswagen sah sich genötigt, ein Wagen der Oberklasse herauszubringen. Da war der 3-Liter-Lupo schon längst kläglich gescheitert.

Politik hat wenig begriffen

Nun beeilt sich das Land, bei Elektroautos nachzuholen. Sehr spät. Techniken wie Start-Stopp-Automatik behandeln nur Symptome, aber keine Ursachen. Gleichzeitig werden die Autos mit Elektroextras vollgestopft, die zum Gewicht und damit zum Verbrauch beitragen.

Die Politik hat ebenfalls wenig begriffen. Sie ließ lieber abwracken, statt auf umweltschonende Fahrzeuge zu setzen. Statt etwa den öffentlichen Personennahverkehr auszubauen. Oder für billige Bahnpreise zu sorgen.

Dabei müsste der Klimawandel Warnung genug sein. Deutschland und die Industrieländer müssen ihren CO2-Verbrauch senken. Den Schwellenländern sind wir ein Vorbild, entweder in die eine oder die andere Richtung.

So lange wir nicht lernen, dass wir Sprit sparen müssen, brauchen wir einen Anreiz. Also einen hohen Spritpreis, der uns zum Lernen zwingt. Mobilität mag ein Grundrecht sein. Das Auto ist es nicht.