Berlin - Der Ausnahmezustand an den Finanzmärkten geht weiter. Auch neun Jahre nach der letzten Zinserhöhung traut sich die US-Notenbank Fed nicht, die geldpolitischen Zügel wenigstens ein bisschen zu straffen. Die US-Wirtschaft läuft, die Arbeitslosigkeit ist stark zurückgegangen. Aber die Zinsen bleiben auf Rekordtiefs. Fast scheint es, als werde die wirtschaftspolitische Epoche des billigen Geldes nie zu Ende gehen. Und doch hat die amerikanische Notenbankpräsidentin Janet Yellen die geldpolitische Wende längst eingeleitet.

Anders als die Europäische Zentralbank, die mitten drin steckt,  beendete die Fed ihre milliardenschweren Anleihekäufe, mit denen sie die Renditen künstlich drückte. Und die Zinserhöhung ist längst angekündigt. Sie wird bald kommen, jetzt nur ein bisschen später. Für das Zögern gibt es gute Gründe. Die Erholung der US-Konjunktur scheint nach jüngsten Daten nicht ganz so gefestigt wie erhofft. Die Weltwirtschaft schwächelt, vor allem die Schwellenländer erleben ungewohnt schwere Zeiten.

Anders als für Autofahrer gilt für Notenbanker, dass ein zu früher Tritt auf die Bremse weitaus gefährlicher ist als ein zu später. Inflation ist weit und breit nicht in Sicht und ließe sich bei Bedarf auch schnell und wirksam bekämpfen. Noch bleibt die US-Notenbank zu Recht vorsichtig. Bald aber muss sie den Mut zeigen und den Abschied von der Ära des Nullzinses einleiten. In Europa sind wir davon noch Lichtjahre entfernt.