Hart verhandelt haben die Eigentümer von Karstadt und Kaufhof in den vergangenen Monaten, nun ist der Deal beschlossene Sache: Die Warenhaus- und Gastronomie-Töchter beider Unternehmen werden in ein Gemeinschaftsunternehmen eingebracht, an dem die Signa-Gruppe des österreichischen Investors René Benko die Mehrheit haben wird. In trockenen Tüchern ist der Deal damit immer noch nicht.

Denn dass das Kartellamt die Fusion der beiden größten Warenhausketten im Lande einfach so durchwinken wird, ist nicht zu erwarten. Die Wettbewerbshüter haben bereits angekündigt, dass sich die Eigentümer auf eine strenge und vermutlich langwierige Prüfung einstellen müssen. Dass die nicht immer so ausgeht, wie es sich die Eigentümer vorstellen, mussten einst auch Tengelmann und Edeka leidvoll erfahren.

5000 Stellen in Köln sollen abgebaut werden

Ob dieser 11. September ein guter Tag für die Mitarbeiter von Kaufhof und Karstadt ist, wird sich erst noch herausstellen. Auch wenn sich die Eigentümer bedeckt halten: Vieles ist bereits durchgesickert, das vielen Mitarbeitern noch schlaflose Nächte bereiten wird. Nicht nur den Kölnern, die darauf hoffen, dass die Zentrale in Köln bleibt. 5000 Stellen könnten abgebaut werden. Insider erwarten die Schließung von etwa zehn Prozent der Kaufhof-Filialen.

Denn Fusionen führen immer zu Stellenabbau und Standortschließungen. Weil man hofft, gemeinsam stärker zu sein und Synergien heben zu können. Weil man Kosten sparen kann in der Verwaltung, in der Logistik. Und: Weil man gemeinsam eine stärkere Einkaufsmacht hat.

HBC ermöglicht der Deal mit Benko nun, ohne Gesichtsverlust die operative Führung abzugeben, finanziell mehr Luft zu bekommen und gleichzeitig die Chance zu erhalten, am möglichen künftigen Erfolg beteiligt zu sein.

Die Immobilien machen den Deal attraktiv

Eines ist allerdings klar: Mit Benko übernimmt nun ein Investor das Ruder, der vor allem an den Immobilien interessiert ist. Das Immobilienportfolio der Kanadier macht den Wert dieses Deals aus, die fusionierte Warenhauskette wird auch auf absehbare Zeit tiefrote Zahlen schreiben.

Benko wird schon aus Renditegründen ein hohes Interesse daran haben, zumindest in die Immobilien zu investieren, die ihm selbst oder den Anteilseignern des fusionierten Unternehmens gehören. Das kann dem Warenhausgeschäft dort einen Schub geben. Es kann an anderer Stelle aber auch heißen, dass Flächen vermietet oder aufgegeben werden. Experten halten es für sehr wahrscheinlich, dass aus manchem fünfstöckigen Kaufhof ein kleines Shoppingcenter mit vielen verschiedenen Läden wird – und reichlich Büroraum darüber. Für Kunden könnte auch das attraktiv sein – es wird aber nicht mehr Kaufhof sein.

Hoffen auf Stephan Fanderl

Ein Glücksfall ist für die Mitarbeiter in jedem Fall, dass mit Stephan Fanderl ein ausgewiesener und ausgefuchster Handelsexperte das Ruder bei der neuen Europäischen Warenhaus AG übernimmt. Dass Karstadt überhaupt eine Zukunft hatte, ist vor allem seinem Geschick zu verdanken – und auch seinem harten Sanierungskurs. Den wird er nun vermutlich auch bei Kaufhof anstreben.

Die Arbeitnehmervertreter werden sich auf harte Verhandlungen einstellen müssen: Die Karstadt-Mitarbeiter werden nach wie vor nicht nach Tarif bezahlt, eine entsprechende Vereinbarung wird das Management nun mit Sicherheit auch mit dem Kaufhof-Personal erreichen wollen. Die Gegenleistung könnten – zeitlich befristet – Standortgarantien sein.

Was nach Ablauf der Garantien wird, hängt vor allem davon ab, ob es gelingen wird, das Geschäft wieder zu drehen und den Warenhäusern diesmal eine echte Zukunftsperspektive zu geben. Die haben sie verdient, denn ohne Warenhäuser wären viele Innenstädte noch ein bisschen ärmer.